Mechthild Clark

Einleitung

Gebet ist irgendwie auf der einen Seite ein leichtes Thema, aber dann auch ein sehr schwieriges Thema!

Wir hören ganz oft, dass jemand sagt: Gebet ist ganz einfach Gespräch mit Gott. Andere vertiefen das und sagen: Es ist Kommunikation mit dem dreieinigen Gott ­– Gemeinschaft. Und das mit der Gemeinschaft, der Kommunikation, dem Gespräch stimmt 100%!

Und auf das ganz einfach, kommen wir dann noch später in diesem Referat zurück!!

Zunächst: Kommunikation bedeutet, das Gespräch geht in zwei Richtungen:

Es kann wie folgt sein:

Ich spreche – Gott hört

Ich spreche – Gott spricht zurück – nicht unbedingt verbal

Ich spreche – Gott handelt

Ich spreche – Gott schweigt

Gott spricht – ich höre

Gott spricht – ich handele

Gott spricht – ich gebe Antwort

Gott spricht – ich ignoriere

Und man kann die Schemen-Liste sicherlich noch weiterführen…

„Was ist Euer Gebet?“ hat Corrie ten Boom einmal gefragt? „Euer Lenkrad oder Euer Ersatzrad?“

Christen beten so oft in der Kirche, in der Gemeinde „Vater unser …“ d. h.: Wir wenden uns an unseren himmlischen Vater. Unsere Beziehung zu ihm begann so richtig bei unserer Wiedergeburt, d. h. in dem Moment, als wir uns bewusst entschieden haben, Gott nachzufolgen, Ihm unser Leben und unsere Zukunft anzuvertrauen. Und diese Beziehung entwickelt sich und festigt sich in erster Linie durch Gebet, durch Gespräch mit Gott … Sprechen und Hören …

Kennt ihr noch Gebetsbücher? Ich erinnere mich noch an sie! Und an diesen Gebetsbüchern ist absolut nichts auszusetzen, aber Gebet ist weit mehr als nur das Nachlesen von Texten, die andere, oft auch in Momenten göttlicher Inspiration, geschrieben haben – obwohl manchmal uns auch solche Gebete aus dem Herzen sprechen.

Aber: Wir reden hier und heute von Beziehung, nicht von einem Ritual. Von lebendiger und gelebter Beziehung! Jesus ermahnt uns sogar, wenn er in Matthäus 6,7 sagt: „Wenn ihr bete, dann leiert nicht endlos Gebete herunter wie die Heiden.“

Uns soll bewusst sein: Wenn wir beten, sprechen wir mit dem Schöpfer des Himmels, der Erde, dem Allmächtigen, dem, der alles geschaffen hat. Dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden, wie die Bibel uns sagt. Und dieser große und herrliche Gott hat uns das Recht zugesprochen, Seinen Namen anzurufen und zu benutzen und wir – du und ich – haben damit Zugang zu allen Himmelskonten, und als Buchhalterin finde ich das wunderbar!

Warum sollen wir beten? Was sind Aspekte des Betens?

Zunächst: Jesus setzte sogar voraus, dass seine Jünger ebenfalls beten würden. Er sagte nicht „Falls ihr betet…“ sondern „Wenn ihr betet…“

Gebet ist in erster Linie eigentlich nicht für Gott – Gebet ist für uns! In dem Moment, wo wir Dinge laut aussprechen, bewirkt das etwas in uns. Gott kennt unsere Gedanken schon, bevor wir sie aussprechen oder formulieren, sagt uns das Wort Gottes! Aber es tut uns gut, diese Gedanken zum Ausdruck zu bringen. Und es zeigt unserem himmlischen Vater, dass wir es ernst meinen mit unserer Beziehung zu Ihm. Im Gebet pflegen wir diese Beziehung!

Es gibt viele Gründe, warum wir beten sollen! Und Jesus gab uns sogar ein Muster, eine Anleitung, wie wir beten sollten: Das schon angesprochene Vater Unser in Matthäus 6. Es ist wie ein Gerippe, an das wir uns anlehnen können. Und wir wollten uns einige dieser Aspekte kurz ansehen:

  1. Im Gebet bauen wir unsere Beziehung mit unserem Gott aus. Wir sprechen ihm unser Lob aus!

Matt. 6, 9 (HfA): „Ihr sollt deshalb so beten: ‘Unser Vater im Himmel! Dein heiliger Name soll geehrt werden.“

Wir werden überwältigt von seiner Größe, Seiner Liebe für uns. Mir geht das auch so wenn ich die Psalmen lese. Hier finden wir so viele Beschreibungen von David und den anderen Psalmisten von der überwältigenden Größe Gottes. Das stärkt unseren Glauben und gibt uns Zuversicht!

  1. Wir geben Gott die Anbetung und Anerkennung, die Ihm zusteht.

Matt. 6,10: „Richte bald deine Herrschaft bei uns auf. Lass deinen Willen hier auf der Erde geschehen, wie er im Himmel geschieht.“

Er ist es würdig, dass wir Ihn loben! Wir bitten um Sein Regieren, Seine Machtausübung!

  1. Und jetzt wird es ganz persönlich: Wir geben unseren Mangel zu.

Matt. 6,11: „Gib uns auch heute wieder, was wir zum Leben brauchen.“

Später in Matthäus 6 sagt uns Jesus, dass unser himmlischer Vater genau weiß, was wir brauchen und dass er für uns sorgen wird: wir denken an die Lilien auf dem Feld, die Vögel im Himmel …  Aber dennoch erleichtert es uns, wenn wir Ihm unseren Mangel benennen.

Wir gehen in die Fürbitte für uns und andere – noch einmal Vers 11: „ Unser tägliches Brot gib uns heute.“ sagt die Luther Übersetzung. Wir bitten konkret um das, was wir brauchen oder was andere brauchen.

Lukas 11,9 untermauert: „Wer bittet dem wird gegeben, wer sucht, der wird finden, wer anklopft, dem wird aufgetan.“

  1. Wir gestehen uns und Gott ein, dass wir Fehler machen und bitten um Vergebung.

Vers 12: „Vergib uns unsere Schuld!“

Durch das Gebet um Vergebung werden wir auch freigesetzt von Schuldgefühlen, denn wir dürfen Seine Vergebung annehmen. Die Bibel macht auch klar, dass wir nur effektiv beten werden, wenn wir mit reinem Herzen vor Gott kommen. Es ist befreiend, Vergebung zu erleben!

  1. Wir setzen andere frei.

Vers 12b: “…wie auch wir denen vergeben, die an uns schuldig geworden sind.“

Auch in ganz wichtiger Punkt. Wie schnell sind wir verletzt, eingeschnappt … Wir bewahren unser Herz vor Bitterkeit und Groll!

  1. Wir geben zu, dass Versuchung in unserem Leben, manchmal sehr groß ist! Vers 13: „Lass uns nicht in Versuchung geraten, dir untreu zu werden, sondern befreie uns von dem Bösen.“

Z.B. ungebührlich zu reden und zu handeln, vorschnelles Verurteilen anderer, Dinge zu tun, die nicht Gottes Wille für uns sind. Gruppendruck!

Wir bitten um Bewahrung und Schutz – Hilf Du mir in konkreten Situationen! Manchmal wissen wir schon im Voraus, dass gewisse Situationen oder Menschen uns sehr fordern werden und wir dürfen Gott bitten, unser Herz zu bewahren!

Psalm 16, 1:  Ein Lied von David. „Beschütze mich, Gott, denn bei dir suche ich Zuflucht!”

  1. Wir schauen noch einmal auf Gottes Allmacht: Matthäus 6,13 (HfA)

„Denn dir gehören Herrschaft, Macht und Ehre für alle Zeiten. Amen!“  

Wir bringen unsere Ehrfurcht zum Ausdruck – Auch hier sind die Psalmen eine große Hilfe! Wenn ich manchmal in den Psalmen lese, kann ich es kaum glauben, dass dieser große, gewaltige Gott Interesse an mir kleinem Wesen hat.

Ein Auszug aus Psalm 33: „ Jubelt über den HERRN, alle, die ihr zu ihm gehört! Lobt ihn, ihr Aufrichtigen, denn das ist eure schönste Aufgabe! Preist den HERRN auf der Laute und spielt für ihn auf der zehnsaitigen Harfe! Singt ihm ein neues Lied und jubelt ihm zu! Schlagt in die Saiten, so gut ihr könnt! Denn was der HERR sagt, das meint er auch so, und auf das, was er tut, kann man sich verlassen. Er liebt Recht und Gerechtigkeit, die ganze Erde ist erfüllt von seiner Güte. Nur ein Wort sprach er, und der Himmel wurde geschaffen, Sonne, Mond und Sterne entstanden, als er es befahl. Er sammelte das Wasser des Meeres an einem Ort und speicherte die Ozeane in riesigen Becken. Die ganze Welt soll den HERRN fürchten, ja, alle Bewohner der Erde sollen ihn achten und ehren! Denn er sprach, und es geschah, er befahl, und schon war es da.“

Spürt Ihr, wie überwältigend groß unser Gott ist?

  1. Ein letzter Aspekt oder Grund zum Beten – Wir sind in seelischer Not!

Auch das gibt es bei uns als Christen! Nicht immer scheint die Sonne für uns und an manchen Tagen brauchen wir das Gebet, um wieder richtig fokussieren zu können:

Psalm 62, 6–9: „Nur bei Gott komme ich zur Ruhe; er allein gibt mir Hoffnung. Nur er ist ein schützender Fels und eine sichere Burg. Er steht mir bei, und niemand kann mich zu Fall bringen. Gott rettet mich, er steht für meine Ehre ein. Er schützt mich wie ein starker Fels, bei ihm bin ich geborgen. Ihr Menschen, vertraut ihm jederzeit und schüttet euer Herz bei ihm aus! Gott ist unsere Zuflucht.“

Gott versteht unsere seelische Not, unsere Ängste, auch unsere Dunkelheit! Und er antwortet!

Zusammengefasst: Das chaldäische Wort ABBA – Lieber Vater!

  • A für Anbetung

Ich würdige Gott, als den allmächtigen Schöpfer, der er ist, und für das was er für uns getan hat.

  • B für Bekennen von Schuld.

Jeden Tag aufs Neue – bitte Gott um Vergebung, für das was nicht in Ordnung war…

  • B für Bedanken

Ich danke Gott, weil er mein guter Vater ist, für meine Gesundheit, eine Frau, meine Familie, die Gemeinde, Freunde usw.

  • A für Anliegen

Befiehl dem Herrn Deine Wege

Er wird’s wohl machen…

Fürbitte für andere

Erhört Gott alle unsere Gebete? Oder anders: antwortet Er / Beantwortet Er?

Zum Antworten: Gott antwortet uns immer, wenn wir Ihn aufrichtig suchen und Er antwortet auf die verschiedensten Arten und Weisen:

durch Bibelstellen

durch Eindrücke

durch ein Gebet von einer anderen Person in der Gemeinde

in einem Gespräch u. v. m.

Zum Beantworten: Mehrfach hat Jesus uns zum Bitten aufgefordert. Matthäus 7,7–8: „Bittet so wird Euch gegeben, suchet so werdet ihr finden, klopft an so wird Euch aufgetan! Denn jeder der bittet, empfängt und wer sucht der findet und wer anklopft dem wird aufgetan.“

Diese und etliche andere Stellen im NT scheinen im ersten Moment eine Erhörung von Gebeten zu garantieren. Aber die Bibel ist ganz sachlich und sagt uns auch, warum wir nicht immer bekommen, um was wir gebeten haben.

Jakobus schreibt dazu in Jakobus. 4,2–4 – „Ihr wollt alles haben und werdet nichts bekommen…Ihr seid begehrlich und habt nicht…. Ihr bittet und bekommt nicht, weil ihr übel bittet. Solange ihr nicht Gott bittet, werdet Ihr nichts empfangen. Wenn ihr freilich Gott nur dann bittet eure selbstsüchtigen Wünsche zu erfüllen, wird ER euch nichts geben.“

Einige Punkte zum Thema Gebetserhörung:

  1. Unsere Motivation muss stimmen! Was sollte unser Motiv im Gebet sein?

Jesus betete: „Nicht mein Wille geschehe, sondern Dein Wille geschehe!“

  1. Ungereinigte Sünde kann ein Hindernis sein und Grund sein, warum Gott nicht hört. Bitterkeit im Herzen. Selbst bei Christen kommt es vor, dass Ihre Freundschaft mit Gott durch Sünde oder Ungehorsam getrübt wird. Deshalb müssen wir uns immer wieder prüfen vor Gott. David hat so gebetet:

Psalm 139,23 „Durchforsche mich, o Gott, und sieh mir ins Herz, prüfe meine Gedanken und Gefühle! Sieh, ob ich in Gefahr bin, dir untreu zu werden, und wenn ja: Hol mich zurück auf den Weg, den du uns für immer gewiesen hast!

Joh. 3,21–22 „Wenn also unser Gewissen uns nicht mehr verurteilen kann, meine Freunde, dann dürfen wir mit Zuversicht zu Gott aufschauen. Wir erhalten Von IHM, worum wir bitten, weil wir seine Anweisungen beachten und tun was ihm gefällt“

  1. Wenn Du also um etwas bittest und es NICHT bekommst, schließe nicht daraus, dass Gott das Gebet nicht erhört hat. Vertraue IHM!

Er liebt uns und weiß, was das Beste für uns ist. Gottes Antwort wird „Ja“ sein oder „Nein“. Oder „später“. Er macht es so, dass es für alle Beteiligten am Besten ist.

Ruth, die Frau von Billy Graham, hat einmal vor einer Versammlung gesagt: „Gott hat nicht alle meine Gebete erhört. Hätte er es getan, dann hätte ich den Falschen geheiratet – und das gleich mehrmals!“

Je mehr wir Gott kennen, desto besser werden wir sein Reden hören und Seinen Willen erkennen, und umso mehr werden unsre Gebete erhört werden, weil wir nach Seinem Willen beten.

  1. Wir sollen nicht für etwas beten, was nicht in Einklang mit Gottes Wort ist, d. h. für Dinge, von denen wir wissen, das Gott sie von vorneherein ablehnt.
  2. B. die Millionen, damit ich nie wieder arbeiten muss!

Wann sollen wir beten?

Generell sagt das NT: wir sollen immer, beständig, anhaltend beten, …alle Zeit.

Gebet ist in Verbindung bleiben mit Gott!

Wie in einer Ehe… wir sollen beständig in Verbindung bleiben. Wir brauchen dazu keine bestimmten Räume oder Umstände oder spezielle „Feelings“ – verheiratet bist du immer.

Allein – früh am Morgen, im Auto, still auf der Arbeit auch mit anderen – Ehepartner, Gemeinde, in Kleingruppen.

Wie sollen wir beten?

Wir können laut oder leise beten, je nach Situation. Manchmal tut es uns gut, wenn wir allein sind, laut zu beten – wir hören uns selbst! Es kann auch vorkommen, dass wir vor Gott weinen, jammern, klagen, denn manchmal fühlen wir uns danach. Gott versteht auch das und im Gebet werden unsere Gedanken wieder klar. Manchmal singen wir auch Lobpreislieder –  auch das ist eine Form von Gebet!

 

Und zum Schluss einige Worte zu dem „ganz einfach“:

Wenn man diesen Ausführungen zuhört dann denkt man vielleicht: Wow, Gebet ist eine tolle Sache. Unser Herz ist ganz erfüllt vom Herrn und Seiner Größe und wir sind super motiviert. Die Atmosphäre im Gottesdienst ist überwältigend und unser Herz fließt schier über… Wir kennen alle diese Gefühle.

Aber dann kommt der Morgen und der nächste Tag, und der Alltag holt uns ein und Probleme und Konfrontation warten auf uns. Unser Zeitplan ist mehr als voll. Und wir haben keine Zeit für Gebet, wir fühlen uns nicht danach und wir vergessen es auch manchmal!

Wird das leichter je länger man mit Jesus geht? Nicht unbedingt!!! Aber je länger ich mit Gott gehe, desto präsenter ist Er in meinem Leben, in meinen Gedanken, in meinem Tun, meinem ganzen Sein! Und die Kommunikation ist fast automatisch.

Aber mein Fazit ist nach wie vor: Gebet fällt uns manchmal leicht, aber meistens erfordert es Disziplin!

Gott wusste dass wir Hilfe benötigen und so hat er schon vorgesorgt: Er hat uns Seinen Geist gegeben, der in uns wohnt und uns als Helfer – parakletos – zur Seite steht. In all unsern Schwächen und Nöten hilft uns der Heilige Geist. Auf IHN dürfen wir und sollen wir vertrauen. Auch im Gebet! Manchmal ist es gut, einfach nur anzufangen – die Worte kommen dann schon von allein.

 

Johannes 14,26–27: Jesus spricht – „Der Heilige Geist, den euch der Vater an meiner Stelle als Helfer senden wird, er wird euch alles erklären und euch an das erinnern, was ich gesagt habe. Auch wenn ich nicht mehr da bin, wird doch der Friede bei euch bleiben. Ja, meinen Frieden gebe ich euch – einen Frieden, den euch niemand sonst auf der Welt geben kann. Deshalb seid nicht bestürzt und habt keine Angst!“

 

 

Freitag, 05.05.17 8:03 AM