Paul Clark

Ich schaffe das nicht alleine!

Lukas 15, 20a NGÜ: So machte er sich auf den Weg zu seinem Vater.

Das Lied der Beatles:

Help I need somebody
(Help) not just anybody
(Help) you know I need someone

Hilfe! Ich brauche jemanden
Hilfe! Nicht einfach irgend wen
Hilfe! Weißt du, ich brauche jemanden
Hilfe!

Help me if you can, I’m feeling down
And I do appreciate you being ’round
Help me get my feet back on the ground
Won’t you…

Hilf mir, falls du kannst, ich fühle mich niedergeschlagen
Und ich bin dir dankbar, dass du da bist
Hilf mir, wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen
Könntest du mir nicht bitte, bitte helfen?

Oft sind wir einfach zu stolz, um zuzugeben, dass wir Hilfe brauchen, oder gar Hilfe von anderen anzunehmen. Das sehen wir beispielsweise bei Kindern, die sagen: „Papa oder Mama, ich kann das allein.“ Aber vieles können sie allein einfach nicht schaffen.

Ich hörte einmal, dass viele Männer, bevor es Navis gab, auf dem Weg zu einem Ziel oft völlig in die Irre fuhren, weil sie im Gegensatz zu Frauen zu stolz waren, um anzuhalten und jemanden nach dem Weg zu fragen.

Richard Rohr:  Wir wurden uns lieber ruinieren lassen, als uns zu verändern.

Manchmal bevorzugen wir bekannte Bindungen anstelle von unbekannter Freiheit. Wenn wir Schmerz oder Not leiden, ist es oft einfacher für uns, alles zu lassen, wie es ist, weil es uns so vertraut ist und wir daran gewöhnt sind. Veränderungen beunruhigen und ängstigen uns. Verletzungen und Ungerechtigkeiten, die wir in der Vergangenheit erlitten haben, können dazu führen, dass wir auf der Stelle treten und unfähig sind, vorwärts zu gehen oder Freude zu haben.

Leider passiert es dann oft, dass wir nicht zur Besinnung kommen und blind für unsere Situation sind. Wir bleiben in unseren eingefahrenen Gleisen stecken. In der Geschichte vom verlorenen Sohn finden wir jedoch ein Beispiel für einen Menschen, der letztendlich doch zur Besinnung kam. Es ist wichtig, dass wir auch den Anfang der Geschichte kennen.

Wie vielen jungen Männern, war auch dem verlorenen Sohn zu Hause alles viel zu eng. Er nötigte seinen Vater, ihm sein Erbe vorzeitig auszubezahlen, und machte sich auf den Weg, um das, was er für das „High Life“ hielt, zu erleben.

Lukas 15,13b NGÜ: Dort leistete er sich, was immer er wollte. Er verschleuderte sein Geld,

Lukas 15,13b ELB: …dort vergeudete er sein Vermögen, indem er  verschwenderisch lebte.

Ich glaube, in unserem Land gibt es viele Menschen, die davon ein Lied singen können.

Lukas 15,16-19 HFA: Oft quälte ihn der Hunger so sehr, dass er sogar über das Schweinefutter froh gewesen wäre. Aber nicht einmal davon erhielt er etwas. Da kam er zur Besinnung: ›Bei meinem Vater hat jeder Arbeiter mehr als genug zu essen, und ich sterbe hier vor Hunger. Ich will zu meinem Vater gehen und ihm sagen: Vater, ich bin schuldig geworden an Gott und an dir. Sieh mich nicht länger als deinen Sohn an, ich bin es nicht mehr wert. Lass mich bitte als Arbeiter bei dir bleiben!

Doch schließlich ging dem verlorenen Sohn ein Licht auf. Er merkte, dass er es allein nicht schaffte. Seine Selbstsicherheit war dahin. Wir denken so oft, dass wir etwas schon allein irgendwie hinkriegen. Hör dir die Worte von König David im Alten Testament sehr genau an:

Psalm 18:18: Du hilfst denen, die sich helfen lassen und sich selbst nicht überschätzen.

Der verlorene Sohn machte sich auf den Weg zurück nach Hause. Hier geht es um Umkehr! Ein schlechtes Gewissen kann uns dazu bewegen, dass wir umkehren. Dadurch sind wir in der Lage, die Last loszulassen.

Dallas Willard: Buße heißt, die Art und Weise, wie man gedacht und gehandelt hat, zu verändern.

Paulus schreibt:

  1. Korinther 7,10: Denn die von Gott bewirkte Traurigkeit führt zur Umkehr und bringt Rettung. Und wer sollte das jemals bereuen! Nur die Traurigkeit, die rein menschlicher Art ist, bewirkt den Tod.

Was erwartete den verlorenen Sohn?

Lukas 15, 20a HFA: Er machte sich auf den Weg und ging zurück zu seinem Vater

In gewisser Weise erinnert das an den Kinofilm, in dem Tom Cruise am Ende mit seinem Ferrari zum Haus seiner Freundin Nicole Kidman fährt, nachdem er ihr viele Jahre zuvor das Herz gebrochen hat. Jetzt kommt er zurück und versucht, alles in Ordnung zu bringen. Während wir Popcorn essend auf unseren Plätzen sitzen, fragen wir uns: Wird das ein gutes Ende nehmen? Was wird passieren? Vielleicht knallt Nicole ihm die Tür vor der Nase zu, sobald sie gesehen hat, wer davorsteht. Oder vielleicht öffnet sie die die Tür gar nicht erst, weil sie bereits sein Auto in der Auffahrt gesehen hat. Natürlich hoffen wir auf ein romantisches Ende!

Lukas 15, 20a HFA: Der erkannte ihn schon von weitem. Voller Mitleid lief er ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.

In der Geschichte vom verlorenen Sohn wird keine Tür zugeknallt. Sein Vater las ihm auch nicht die Leviten. Wie es vielleicht die meisten von uns getan hätten, hätte er sagen können: „Wie konntest du nur so dumm sein!“ Doch stattdessen rannte er seinem Sohn entgegen, warf seine Arme um ihn und hieß ihn zu Hause willkommen. Das ist ein Bild der reinen Gnade! Für mich ist das eine der schönsten Szenen in der ganzen Bibel.

Der deutsche Theologe Helmut Thielicke schrieb, das Gleichnis sollte besser „Der wartende Vater“ heißen statt „Der verlorene Sohn“. Obwohl er so herzlich empfangen worden war, verspürte der Sohn das Verlangen, seiner tiefen Reue und seinem Kummer Ausdruck zu verleihen. Er wusste, dass es nicht in Ordnung war, seinem Vater gegenüber einfach zu schweigen.

Er versuchte nicht, die Dinge zu beschönigen, sondern gestand ein, dass er völlig falsch gehandelt und etwas Furchtbares getan hatte.

Lukas 15, 21b: ›Vater‹, sagte der Sohn, ›ich bin schuldig geworden an Gott und an dir. Sieh mich nicht länger als deinen Sohn an, ich bin es nicht mehr wert.‹

Das Ergebnis einer echten Umkehr:

Lukas 15, 22-24:  Sein Vater aber befahl den Knechten: ›Beeilt euch! Holt das schönste Gewand im Haus und legt es meinem Sohn um. Steckt ihm einen Ring an den Finger und bringt Schuhe für ihn! Schlachtet das Mastkalb! Wir wollen essen und feiern! Denn mein Sohn war tot, jetzt lebt er wieder. Er war verloren, jetzt ist er wiedergefunden.‹ Und sie begannen ein fröhliches Fest.

Da war Partystimmung angesagt! Lasst uns feiern! Wusstest du, dass im Himmel ein Fest stattfand, als du deine Sünden bekannt hast und zu Christus gekommen bist?

Lukas 15,7 u. 10 HFA:  Ich sage euch: So wird auch im Himmel Freude herrschen über einen Sünder, der zu Gott umkehrt – mehr als über neunundneunzig andere, die nach Gottes Willen leben und es deshalb gar nicht nötig haben, zu ihm umzukehren. Genauso freuen sich auch die Engel Gottes, wenn ein einziger Sünder zu Gott umkehrt.

Jesus erzählte dieses Gleichnis, um uns den Charakter Gottes zu erklären – Gott läuft uns entgegen! Wenn wir erkennen, wie hilfsbedürftig wir sind, ist der Weg zu Gott frei, und Gott freut sich, dass wir zu ihm kommen.

Hilfe hat einen Namen: Jesus

Gott kommt zu uns!

Jesaja 7,14: Jetzt gibt euch der Herr von sich aus ein Zeichen: Die junge Frau1 wird schwanger werden und einen Sohn bekommen. Immanuel (›Gott ist mit uns‹) wird sie ihn nennen.

Jesus = 100 % Gott & 100 % Mensch

Als Juri Gagarin in 1961, der erste Mensch im Weltraum zurückgekommen war sagte Chruschtschow, der sowjetische Generalsekretär der KP, dass Gagarin keinen Gott im Weltall gesehen hätte.

C.S. Lewis, einer der herausragenden Denker des 20. Jahrhundert entgegnete:
Wenn es einen Gott gibt, dann wäre unsere Beziehung zu ihm wie die von Hamlet zu Shakespeare. Hamlet kann Shakespeare nicht hinter den Kulissen oder im Gebälk finden. Hamlet kann Shakespeare nur finden, wenn Shakespeare sich selbst eine Rolle in dem Stück gibt.

Es ist interessant, dass der Astronaut William Anders bei der ersten Mondlandung mit der Apollo 8 im Dezember 1968 für die ganze Welt hörbar sagte: „Wir nähern uns nun dem lunaren Sonnenaufgang. Und für alle Menschen unten auf der Erde hat die Besatzung der Apollo 8 eine Botschaft, die wir euch senden möchten …“ Dann lasen die drei Astronauten nacheinander jeweils einen Teil der Schöpfungsgeschichte aus 1.Mose, Kapitel 1 vor.

Gott hat sich mit Jesus eine Rolle in unserer Geschichte geschrieben.

Er lebte unter uns.

Johannes 1, 14: das Wort wurde Mensch und lebte unter uns. Wir selbst haben seine göttliche Herrlichkeit gesehen, eine Herrlichkeit, wie sie Gott nur seinem einzigen Sohn gibt. In ihm sind Gottes Gnade und Wahrheitzu uns gekommen.

Er lässt uns nie allein

Johannes 6, 37: Alles, was mir der Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen

Er opfert sich selbst für uns

Römer 5,8: Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.

Uns zu helfen ist Gottes Sehnsucht

Matthäus. 11, 28-29: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.

Wir dürfen Gott „Abba, Vater“ nennen! Das bedeutet, dass wir eine sehr enge und persönliche Beziehung mit unserem himmlischen Vater haben können.

Psalm 68,6: Ein Vater der Waisen und ein Helfer der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung,

Gottes Vaterherz zeigt sich auf vielfältige Weise. Die Frage ist, wie wir damit umgehen. Wir sind herausgefordert, auf die Liebe Gottes mit Vertrauen zu reagieren. Selbst die engste und liebevollste Beziehung mit einem weltlichen Vater lässt sich nicht mit der alles übersteigenden Liebe unseres himmlischen Vaters vergleichen, der uns kennt, wie uns nie ein anderer Mensch kennen wird.

Was sollen wir machen?

Wir müssen unsere Selbstsicherheit aufgeben. Gott, ohne dich bin ich verloren! Obwohl ich Jesus schon seit vielen Jahren kenne, bekenne ich auch heute noch oft, dass ich Gott brauche wie nie zuvor. Ich will mich immer wieder vor Gott beugen.

Demut bedeutet nicht, dass wir unsere Stärken verleugnen. Demut bedeutet, dass wir im Hinblick auf unsere Schwächen ehrlich sind. In uns allen vereinen sich sowohl große Stärken als auch große Schwächen; Demut bedeutet, dass wir in der Lage sind, beides ehrlich einzugestehen.

Hilfe suchen und annehmen 

Kürzlich habe ich die Entstehungsgeschichte der Anonymen Alkoholiker gelesen.

Die Anfänge der Gemeinschaft sind dennoch christlich geprägt. Der 10. Juni 1935 gilt als der Gründungstag der Gemeinschaft, was auf eine Begegnung zwischen dem Chirurgen Bob Smith und dem Börsenmakler Bill Wilson zurückgeht. Beide litten schwer unter dem Alkoholismus. Sie stellten fest, dass ihr Trinkzwang schwand, als sie sich offen über ihre Krankheit unterhielten.

Hier sind nur einige aus dem Zwölf-Schritte-Programm der Anonymen Alkoholiker:

Ich hoffe und glaube, dass keine Alkoholiker unter uns sind, aber viele dieser Schritte passen auch zu den Lebensbereichen oder Nöten, mit denen wir schwer zu kämpfen haben.

  • Wir gaben zu, dass wir dem Alkohol gegenüber machtlos sind – und unser Leben nicht mehr meistern konnten.
  • Wir kamen zu dem Glauben, dass eine Macht, größer als wir selbst, uns unsere geistige Gesundheit wiedergeben kann.
  • Wir fassten den Entschluss, unseren Willen und unser Leben der Sorge Gottes anzuvertrauen.
  • Wir machten eine gründliche und furchtlose Inventur in unserem Inneren.
  • Demütig baten wir Ihn, unsere Mangel von uns zu nehmen.
  • Wir machten eine Liste aller Personen, denen wir Schaden zugefügt hatten und wurden willig, ihn bei allen wiedergutzumachen.
  • Wir suchten durch Gebet und Besinnung die bewusste Verbindung zu Gott. Wir baten Ihn nur, uns Seinen Willen erkennbar werden zu lassen und uns die Kraft zu geben, ihn auszuführen.

Der Totalität der Verlorenheit entspricht der Radikalität des Unkenrufes

Heinrich Martin (1818 – 1872): Halte dich fern von denjenigen Gerechten, die der Reue nicht bedürfen; ihr Gemüt ist verhärtetet und sie sind gefährlicher als der Mensch, der Torheiten begeht und dann reuig Buße tut.

Nach Hause zu kommen bedeutet den Aufruf zur Umkehr.

Römer 10, 9-10 u. 13: Denn wenn du mit deinem Mund bekennst: »Jesus ist der Herr!«, und wenn du von ganzem Herzen glaubst, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat, dann wirst du gerettet werden. Wer also von Herzen glaubt, wird von Gott angenommen; und wer seinen Glauben auch bekennt, der findet Rettung. »Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.«4

Augustinus Aurelius (354-430) beschreibt, was es geistlich gesehen bedeutet, endlich nach Hause zu kommen: In meiner tiefsten Verwundung sah ich Deine Herrlichkeit und sie blendete mich.