Paul Clark

1 Mose 40, 23 Aber der Oberste der Mundschenken dachte nicht an Josef, sondern vergaß ihn.

Als mein Sohn Michael etwa neun Jahre alt war, erlaubte meine Frau Mechthild ihm, sich in der Spielwarenabteilung von Karstadt aufzuhalten, während sie ihre Einkäufe erledigte. Sie sagte ihm, dass sie ihn zu einer bestimmten Uhrzeit wieder abholen würde. Als die Zeit gekommen war, wartete Michael auf seine Mutter, aber sie kam nicht. Mechthild war bereits auf dem Heimweg. Als sie einige Minuten gefahren war, bemerkte sie voller Schrecken, dass sie Michael vergessen hatte. Sofort drehte sie um und traf dann fast 30 Minuten später als verabredet bei Michael ein. Das Gefühl, vergessen zu werden, ist sehr unschön!

Im Gegensatz zu meinem Sohn, der schließlich doch noch abgeholt wurde, widerfuhr Josef große Ungerechtigkeit. Er blieb im Gefängnis zurück, während ihn der Mundschenk, der jetzt wieder im Palast mit Pharao feiern durfte, vergaß.

Ich glaube nicht, dass wir im ganzen Ausmaß erfassen können, wie enttäuscht Josef war, als er hörte, dass der Mundschenk seine Stellung bei Pharao wieder innehatte, ohne sich für ihn einzusetzen. Schließlich hatte dieser Josef versprochen, dass er ihm helfen würde, aus dem Gefängnis freizukommen.

Wenn wir ehrlich sind, müssen wir eingestehen, dass wir alle schon enttäuscht waren, weil wir uns von jemandem vergessen fühlten.

Beispiel 1: Jemand sagt uns, dass er uns bald anrufen wird, um ein Treffen zu vereinbaren, aber der Anruf kommt nie.

Beispiel 2: Jemand sagt uns, dass er für uns da ist, was auch passiert. Dann passiert etwas, doch von dieser Person ist nichts zu hören und nichts zu sehen.

Enttäuschungen können in so vielen Formen auftreten. Die Liste scheint endlos zu sein.

Was lehrt uns die Bibel darüber, wie man menschliche Enttäuschungen überwindet?

1 Vergiss nie, dass Gott die Kontrolle besitzt und in unserem Leben wirkt.

Unser Wille und Gottes Wille stimmen nicht immer überein. Seine Wege sind nicht unsere Wege.

Jesaja 55,8-9: Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR[ Denn so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanke

Statt zornig auf Gott zu sein, weil er zugelassen hat, dass uns jemand enttäuscht, müssen wir ihm demütig vertrauen und in allen Dingen seinen Willen suchen.

Matt. 6, 10: Dein Reich komme; dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden. Auch Jesus betete im Garten Gethsemane: „Nicht mein Wille geschehe, sondern deiner.“

Durch Enttäuschungen in unserem Leben kann Gott oft Dinge in unserem Herzen tun, die uns helfen, in ihm zu wachsen.

Wenn wir ihm in den Zeiten unserer Not vertrauen, gebraucht Gott unsere Enttäuschungen manchmal als Zeugnis für andere Menschen, dass er genug ist.

2 Wir wollen der betreffenden Person vergeben!


Als Jesus am Kreuz hing und von der Menge und den Soldaten bespuckt und verspottet wurde, sagte: Lukas 23,34b: Vater, vergib ihnen! Denn sie wissen nicht, was sie tun.

Wenn Jesus jenen vergab, die nicht begriffen, dass sie Gottes unschuldigen Sohn zum Tod am Kreuz verurteilt hatten, um wie viel mehr sollten wir jenen vergeben, die uns enttäuschen, ganz gleich, ob sie uns um Vergebung bitten oder nicht?

C.S. Lewis: Ein Christ zu sein bedeutet zu vergeben, was unentschuldbar ist, weil Gott das Unentschuldbare in dir schon vergeben hat. 

Dave Barringer: Ja“ sagen zur Vergebung bedeutet auch „nein“ zu sagen zur Bitterkeit, welche sich einschleichen möchte, um dein Herz zu zersetzen.

3 Denk daran, dass auch wir andere Menschen enttäuschen.

Zumindest veranlassen uns unsere Enttäuschungen, unserem Fleisch zu sterben und für Gott zu leben, um ihn auf diesem Weg, der als christliches Leben bezeichnet wird, mit unserem Verhalten zu ehren.

Thomas Boston erinnert uns: Auch wenn unsere Umstände oft verwirrend sind – eines Tages werden die, die auf Christus als ihren Retter vertrauen, „am Ufer stehen und auf die Dinge, durch die sie hindurchgegangen sind, zurückblicken, und sie werden sagen: ‚Er hat alles gut gemacht‘.“

Matt. 25,21:  Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du guter und treuer Knecht! Über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen; geh hinein in die Freude deines Herrn.

Lasst uns immer danach streben, Gott und unseren Nächsten zu lieben; lasst uns dafür einstehen, was richtig ist, und den Menschen, die uns enttäuschen, Gnade gewähren. Denkt daran: Gott liebt uns, er hat einen Plan, den er zur Vollendung bringen wird, und er ist gut.

4 Lass los und lass Gott den Vortritt

Jesus ist in den guten wie in den schlechten Zeiten unsere Kraft und unsere Zuflucht. Niemand ist mächtiger als er und niemand liebt uns mehr als er.

Philipper 4, 13 NLB: ich bin noch nicht alles, was ich sein sollte, aber ich setze meine ganze Kraft für dieses Ziel ein. Indem ich die Vergangenheit vergesse und auf das schaue, was vor mir liegt

Ich glaube mit Gottes Hilfe können wir die tiefsten Enttäuschungen mit der besten Einstellung ertragen! 

5 Setz dich in Bewegung!

Zu viele von uns sitzen herum und klagen über Dinge, an denen wir nichts mehr ändern können. Ich glaube, der Herr sagt zu uns: „Steh auf, mein Kind, und tu die Werke zu denen ich dich berufen habe.“ Das sagte der Herr durch Nehemia zu den Juden, als sie im Angesicht ihrer Feinde die Mauer in Jerusalem wieder aufbauten.

Manchmal besteht die beste Therapie für Enttäuschungen darin, dass wir aus unserer Verzweiflung ausbrechen, indem wir aufstehen und die Aufgabe, die vor uns liegt, anpacken.

Im Lauf der Jahre habe ich mit vielen Frauen und Männern gesprochen, die mir auf sehr emotionale Weise von ihren Gefühlen des Aufruhrs und der Einsamkeit berichteten. Sie fühlten sich vergessen, weil sie nie von ihrer Familie oder Freunden hörten.

Ute Sievers schreibt: „Das Schweigen ist wie ein traurige Hintergrundmusik. Es ist immer da.“ Manchmal bewahrheitet sich das Zitat von Goethe: „Aus den Augen, aus dem Sinn!“ Aber häufig sind es auch Konflikte oder andere Ereignisse aus der Vergangenheit, die zu diesen Situationen geführt haben. Leider gibt es dafür oft keine schnelle Lösung.

Es dauerte zwei lange Jahre, bis der Mundschenk sich wieder an Josef erinnerte und sich dafür einsetzte, dass dieser aus dem Gefängnis frei kam. So konnte Josef schließlich für Pharao und das Volk Ägypten ein Segen sein.

Wie mag Josef sich während dieser zwei Jahre des Wartens und Bangens gefühlt haben; was ging ihm wohl durch den Kopf? Wir wissen von ihm, dass er trotz seiner schwierigen Umstände, die er nicht einmal selbst verschuldet hatte, stets ein großes Gottvertrauen hatte.

Vielleicht fühlst du dich heute sehr allein, obwohl du von vielen Menschen umgeben bist. Vielleicht gehst du gerade durch ein finsteres Tal und fühlst dich von allen Menschen, die du liebst, vergessen. Aber auch wenn du einsam bist, bist du nicht allein, weil der Gott aller Schöpfung dich liebt und versteht wie kein anderer. Lass dir von den Worten, die an das Volk Israel gerichtet waren, Mut zusprechen:

„Kann auch eine Frau ihr Kindlein vergessen, dass sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie seiner vergäße, so will ich doch deiner nicht vergessen.“ (Jesaja 49,15)