Roderich Nolte

Quelle: primär Wayne Grudem: „Systematic Theology“, Kap. 18 (gibt es auch auf deutsch: „Biblische Dogmatik“, VKW 2013, 1430 Seiten, 59,90€), und einige wenige Ergänzungen. Rückfragen gerne an: Roderich, rnolte@gmx.net

In der Predigt nannte Paul gestern die vier Säulen, die für jeden Christen ein „muss“ sind. Eine davon ist das Gebet.

Zur Erinnerung: Apg. 2,41: Nach der Pfingstpredigt des Petrus bekehrten sich 3000 Leute

In Apg. 2,42: Was die Leute, die neu zum Glauben kamen, nach der Bekehrung taten. „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.“ (Vier Aspekte).

  1. Lehre der Apostel: Für uns sind das primär: Bibelstudium; Predigt und Lehre in d. Gemeinde (letztlich auch aus der Bibel); Studium d. Kirchenväter u. Reformatoren und anderer guter Bücher.
  2. Gemeinschaft: in Gottesdienst, Bibelstunde etc. gehen; sich privat treffen etc. z.B. Hebr. 10,25: „Verlasst eure Versammlungen nicht, wie sich einige angewöhnt haben“.
  3. Brotbrechen: Abendmahl feiern; sich immer wieder an Christi Tat erinnern, der für uns am Kreuz gestorben ist.
  4. Gebet. (Darum soll es heute gehen).

Diese vier Säulen sind sozusagen die „Basics“. Sie sind für alle Christen ein Muss. Auch wenn man mal wächst im Glauben, kommt man nie über diese „Basics“ hinaus, sie bleiben nötig. Beständigkeit ist wichtig. Wenn jemand sagt: „Ich bin schon so weit im Glauben, ich brauche nicht mehr zu beten / die Bibel zu studieren“, dann irrt er.

Ein Vergleich zu Karate: Selbst der Schwarzgurt muss immer zunächst Aufwärmübungen machen, muss Liegestütze trainieren, Jogging machen, etc. Es reicht nicht, dass er sofort die schwierigen Würfe oder Tritte im Programm des Schwarzgurts trainiert. Sonst zieht er sich eine Zerrung zu.

Gliederung:

  1. Einleitung: Kantate 70 von Bach. Definition von Gebet.
  2. Warum möchte Gott, dass wir beten?
  3. Bringt Beten überhaupt etwas? – Über die Wirksamkeit von Gebet.
  4. Wie betet man richtig? Einige wichtige Punkte.

0. Einleitung: Kantate 70 v. Bach. Definition v. Gebet.

Jesus sagt: Matth. 26,41: Jesus sagt: „Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt“.

Mk. 13,37: Jesus sagt: „Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Wachet!“

Eph. 5,14: „Wach auf, der du schläfst“…

Römer 13,11: „Und das tut, weil ihr die Zeit erkennt, nämlich dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts“.

Kantate 70 von Bach: „Wachet! Betet! Betet! Wachet!“  (Teil 1: Choral).

Noten sind online kostenlos verfügbar.  http://www.imslp.org/  oder direkter Link:

http://hz.imslp.info/files/imglnks/usimg/4/4c/IMSLP457621-PMLP149560-BWV0070fsBGA.pdf

Text: „Wachet! betet! betet! Wachet!  Seid bereit Allezeit,
Bis der Herr der Herrlichkeit, Dieser Welt ein Ende machet.“

In Google eingeben: „Youtube Bach BWV 70 Wachet betet betet wachet“.

Häufige Wiederholung des Wortes „wachet“ und auf-und-ab-Laufen der Tonleiter mit dem Wort „wachet“ = „Dauernd wachen“; „rund um die Uhr wachen“ = „Lautmalerei“, die Bach oft verwendete – mit Tönen die Botschaft nochmal „bildhaft“ ausdrücken.

– Anderes sehr prägnantes Beispiel für Lautmalerei: „Sind Blitze, sind Donner“ BWV 244

– Langziehen des Wort „betet“ („beeeeeeeeeeetet“) = Anhaltendes Gebet.

Definition: Gebet = persönliche Kommunikation mit Gott.

Gebet schließt ein:

Bittgebete – für sich selbst und für andere. (Wenn für andere: auch genannt „Fürbitte“).

– Gebet, dass Gottes Reich gebaut wird, dass Gottes Wille geschieht.

Sündenbekenntnis

Anbetung

Lobpreis

Danksagung

Gott redet mit uns als Antwort auf unser Gebet

A. Warum möchte Gott, dass wir beten?

A.1. Gott möchte, dass wir ihm vertrauen.

– Gebet ist nicht dazu da, dass wir Gott darüber informieren, was wir brauchen.

Denn Matth. 6,8: „Euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet“.

– Sondern Gott möchte, dass wir beten, weil es unser Vertrauen in Gott zum Ausdruck bringt, und weil Gebet unser Vertrauen in Gott vergrößern kann.

– Es heißt oft: betet „im Glauben“; d.h. in Vertrauen und in Abhängigkeit von Gott.

– Gott ist unser Schöpfer; er freut sich, wenn wir als seine Geschöpfe ihm vertrauen; eine Haltung der demütigen Abhängigkeit ist angemessen bei einem Geschöpf-zum-Schöpfer Verhältnis.

– Gebet in demütiger Abhängigkeit zeigt auch, dass wir wirklich überzeugt sind von Gottes Weisheit, Liebe, Güte und Macht – und allen anderen Eigenschaften, die sein Wesen ausmachen.

– Gebet ist ganzheitlich; alles, was wir denken und fühlen (gegenüber Gott), kommt im Gebet zum Ausdruck.

– Die ersten Worte im Vaterunser („Vater unser, der Du bist im Himmel“, Matth. 6,9) drücken unsere Abhängigkeit von Gott als dem liebenden und weisen Vater aus, der von seinem himmlischen Thron aus regiert.

Die Bibel sagt oft, dass es wichtig ist, Gott zu vertrauen.

Matthäus 7, 7-11: „Bittet, so wird euch gegeben, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan (8) Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. (9) Wer ist unter euch Menschen, der seinem Sohn, wenn er ihn bittet um Brot, einen Stein biete? (10) oder, wenn er ihn bittet um einen Fisch, eine Schlange biete? (11) Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, dennoch euren Kindern gute Gaben geben könnt, wieviel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten!“

Parallelstelle: (leicht anders): Lukas 11,9-12: „(9) Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. (10) Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer dan anklopft, dem wird aufgetan. (11) Wo ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn, wenn der ihn um einen Fisch bittet, eine Schlange für einen Fisch biete? (12) Oder der ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion dafür biete? (13) Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wieviel mehr wird euer Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!“.

So, wie sich Kinder an einen Vater wenden, so können wir uns an Gott wenden.

A.2. Gott möchte, dass wir eine enge Beziehung zu ihm haben.

Gebet vertieft unseren Austausch / unsere Beziehung zu Gott.

Es gibt den Spruch: „Wer du in 5 Jahren von heute an bist, wird maßgeblich durch zwei Aspekte bestimmt: Mit welchen Personen du dich abgibst, und welche Bücher du liest.“

– Umgang mit guten Personen verändert uns zum Guten. Umgang mit guten Büchern verändert uns zum Guten. (Es ist gut, nichtchristliche Freunde zu haben, aber man braucht auch tiefe Freundschaften mit Christen).

– D.h. man soll sich mit guten Personen abgeben, und sein Denken mit guten Dingen füllen.

– Die wichtigste Person, mit der man sich abgeben kann, ist Gott (je mehr wir Zeit mit ihm verbringen im Gebet, desto mehr verändert es uns zum Guten), und das wichtigste Buch, mit dessen Gedanken wir unser Denken füllen können, ist die Bibel.

Gott liebt es, mit uns eine enge Beziehung zu haben.

A.3. Gebet ermöglicht uns, Mitarbeiter am Reich Gottes zu werden („Cooperator Dei“).

Gebet ermöglicht uns Geschöpfen, an dem mitzuarbeiten, was der Schöpfer tut in der Welt. Wenn wir beten, wird das Reich Gottes gebaut. Gebet ist daher ein Ausdruck der ungeheuren Würde des Menschen, mit dem Baumeister des ganzen Universums zusammenarbeiten zu können.

Dennis Peacocke sagt: Finde heraus, was Gott gerade tut. Und dann arbeite an der Sache mit. Das geht nur durch Gebet. (Man kann auch auf ganz alten Schauplätzen kämpfen, wo aber der eigentliche Kampf gerade nicht stattfindet; man kann an Anliegen arbeiten, wo der Heilige Geist gerade nicht am Wirken ist. Verbinde Dich mit dem Wirken Gottes, dann hat Deine Arbeit viel Frucht).

Es gibt aber auch Dinge, die Gott immer am Herzen liegen (z.B. Mission). Arbeite darin mit, dann ist Gott mit Dir. (Die Verheißung in Matthäus 28,20 gilt nur denen, die auch Verse 18.19 befolgen.)

Auch für uns gibt es Berufungen in verschiedenen „Schichten“:

Allgemeine Gebote der Bibel (10 Gebote; Missionsbefehl)

Konkrete Lebensberufung (z.B. Arbeit in weltlichem Beruf; Missionar; Pastor etc.)

Konkrete Führungen, um die Lebensberufung auszufüllen.

Für diese letzten beide Punkte ist es wichtig, dass wir mit Gott im Gebet verbunden sind.

Beispiel Paulus:

– Auch für Paulus galten die allgemeinen Gebote der Bibel.

– Paulus hatte eine Lebensberufung bekommen, z.B. direkt nach seiner Bekehrung in Damaskus. Apg. 9,15.16: „Geh nur hin; denn dieser (Paulus) ist mein auserwähltes Werkzeug, dass er meinen Namen trage vor Heiden und vor Könige und vor das Volk Israel. Ich will ihm zeigen, wieviel er leiden muss um meines Namens willen“.

– Paulus war also berufen als Missionar zu den Heiden (Römer 1,1: „Paulus, ein Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert, zu predigen das Evangelium Gottes“) etc.

– Paulu war aber offen für konkrete Führungen.

Hier ein paar Beispiele, in denen Paulus konkret von Gott geführt wurde, damit er seine Berufung ausführte.

– Apg. 16,9.10: „Und Paulus sah eine Erscheinung bei Nacht: ein Mann aus Mazedonien stand da und bat ihn: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns! Als er aber die Erscheinung gesehen hatte, da suchten wir sogleich nach Mazedonien zu reisen, gewiß, dass uns Gott dahin berufen hatte, ihnen das Evangelium zu predigen“.

– Apg. 18,9.10: „Es sprach aber der Herr durch eine Erscheinung in der Nacht zu Paulus: Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht! Denn ich bin mit dir, und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden; denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt“.

– 1. Kor. 16,9: „Denn mir ist eine Tür aufgetan zu reichem Wirken; aber auch viele Widersacher sind da.“

– Offb. 3,8: „Siehe, ich habe vor dir gegeben eine offene Tür, und niemand kann sie zuschließen.“

– Paulus verbrachte viel Zeit im Gebet. (2. Kor. 6,5; 11,27; Phil. 1,3.4; Kol. 1,9; 1. Thess. 1,2.3).

– Aber er war auch flexibel für konkrete Wegweisungen Gottes, wie er diesen allgemeinen Ruf umzusetzen hatte. Bedingung dafür: Verbundenheit mit Gott im Gebet. (1. Thess. 5,17; Apg. 6,4)

B. Bringt Beten überhaupt etwas? – Über die Wirksamkeit von Gebet.

B.1. Gebet beeinflusst Gottes Handeln

Jakobus 4,2: „Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet.“

Wir beten, Gott antwortet.

Vgl. Matth. 7,7-11 und Lk 11,9-12. Bittet, so wird euch gegeben, suchet, so werdet ihr finden, klopfet an, so wird euch aufgetan. (Klare Verbindung zwischen Gebet und Erhörung / Empfangen).

  1. Mose 32,9-10: Gott kündigt an, dass er das Volk Israel für seine Sünde vernichten würde. Aber wegen des Gebetes von Mose ändert Gott seine Meinung.

„(9) Und der Herr sprach zu Mose: Ich sehe, dass es ein halsstarriges Volk ist. (10) Und nun lass mich, dass mein Zorn über sie entbrenne und sie vertilge; dafür will ich dich zum großen Volk machen. (11) Mose aber flehte vor dem Herrn, seinem Gott, und sprach: Ach Herr, warum will dein Zorn entbrennen über dein Volk, das du mit großer Kraft und starker Hand aus Ägyptenland geführt hast? … (14) Da gereute den Herrn das Unheil, das er seinem Volk zugedacht hatte.“

==> Das Gebet des Mose hatte enormen Einfluss auf Gottes Handeln!

  1. Chronik 7,14: „Wenn mein Vok, über das mein Name genannt ist, sich demütigt, dass sie beten und mein Angesicht suchen und sich von ihren bösen Wegen bekehren, so will ich vom Himmel her hören und ihre Sünde vergeben und ihr Land heilen.“

==> Wenn Gottes Volk betet (in Demut und mit Buße), dann wird er hören und vergeben.

  1. Joh. 1,9: „Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.“

==> Wir beten, Gott vergibt Sünden.

Würden wir wirklich glauben, dass Gebet das Handeln Gottes beeinflusst, würden wir viel mehr Zeit im Gebet verbringen, und Gott um viel mehr bitten!

B.2. Wirksames Gebet ist möglich, weil Christus unser Mittler ist.

– Wir sind Sünder, Gott ist heilig. Eigentlich haben wir kein Recht, in die Gegenwart Gottes zu kommen. Wir brauchen einen Mittler. 1. Tim 2,5: „Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Jesus Christus.“

==> Keine Verheißung, auch das Gebet von Ungläubigen oder Mitgliedern anderer Religionen zu hören. (Evtl. hört Gott manchmal ein ernstes Gebet eines Muslims oder Hindus, etc., aber mit dem Ziel, sie letztlich zu Christus zu führen). Vgl. Joh 14,6: Jesus spricht: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als durch mich.“

Was ist dann mit den Gläubigen des Alten Testaments? Wie konnte ihr Gebet erhört werden, wenn sie keinen Mittler hatten? ==> Das Werk Jesu wurde vorschattiert im AT durch das Opfersystem / Opfer durch die Priester. (Hebr. 7,23-28; 8,1-6; 9,1-14 etc.; aber Hebr. 10,1-4: die AT-Opfer konnten nicht vollkommen reinigen; die AT-Gläubigen wurden gerettet durch das spätere Werk Christi, das schon vorangedeutet war im AT durch das Opfersystem. (Römer 3, 23-26).

Hebr. 4,14-16:: Jesus ist unser „großer Hohepriester“. Daher können wir getrost beten.

„(14) Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis. (15) Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde. (16). Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben.“

Wir müssen daher nicht im „Vorhof“ bleiben, sondern haben direkten Zugang zu Gott:

Hebr. 10,19ff.: „(19) Weil wir denn nun, liebe Brüder, durch das Blut Jesu die Freiheit haben zum Eingang in das Heiligtum, (20) den er uns aufgetan hat als neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang, das ist: durch das Opfer seines Leibes, (21) und haben einen Hohenpriester über das Haus Gottes, (22) so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in vollkommenem Glauben, besprengt in unserem Herzen und los von dem bösen Gewissen und gewaschen am Leib mit reinem Wasser.“

„Besprengt in unserem Herzen“ aus V.22 ist eine Anspielung auf Besprengung der Priester im AT:

  1. Mose 29,4.21: „(4) Und du sollst Aaron und seine Söhne vor die Tür der Stiftshütte treten und sie mit Wasser Waschen… (21)Und du sollst von dem Blut auf dem Altar nehmen und Salböl und sollst Aaron und seine Kleider, seine Söhne und ihre Kleider damit besprengen. So werden er und seine Kleider, seine Söhne und ihre Kleider, geweiht“.

Wir sind nicht nur „Laien“. Wir sind jetzt quasi „Priester“, wir gehören in den Tempel. D.h. wir sind geweiht, wir haben das Recht und die Pflicht, in das Allerheiligste zu gehen und Zeit in der Gegenwart Gottes zu verbringen.

  1. Petr. 2,9: „Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht“.

==> Wenn wir das nächste Mal 2. Mose oder 3. Mose lesen (Priester, Opfergesetze, Stiftshütte, Heiliges / Allerheiligstes): „Das sind ja wir: wir können ins Allerheiligste, Priesterdienst leisten…“

„In das Allerheiligste gehen“ ist kein physischer Tempel mehr. Der Hebräerbrief meint damit eine geistliche Realität. In die Gegenwart Gottes gehen.

Christus betet auch für uns: Hebr. 9,24. „… um jetzt für uns im Himmel vor dem Angesicht Gottes zu erscheinen.“

B.3. Was ist Gebet im Namen Jesu?

Joh. 14,13-14: „Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn. Was ihr mich bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun.“

(Wiederholung bedeutet: Betonung. „Das ist sicherlich so.“)

Joh 15,16: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, damit, wenn ihr den Vater bittet in meinem Namen, er‘s euch gebe.“

Joh . 16,23-24.

Eph. 5,20. „Sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles im Namen unseres Herrn Jesus Christus.“

==> Keine magische Formel. Also nicht nur beten, dann drei Wörter anhängen „im Namen Jesu“.

Sonst hätte er gesagt: „Wenn ihr betet und die drei Wörter anhängt „im Namen Jesu“, werde ich euch erhören“.

Keines der Gebete in der Schrift hat den Anhang „im Namen Jesu“. Math. 6,9-13; Apg. 1,24-25; 4,24-30; 7,59; 9,13-14; 10,14; Offb. 6,10; 22,20.

„Im Namen von Jesus“ heißt: Jesus hat uns autorisiert; Apg. 3,6: Petrus sagt: „Im Namen Jesu von Nazareth, steh auf und geh“.

Apg. 4,7: „Aus welcher Autorität oder in welchem Namen habt ihr das getan?“

Apg. 16,18: Paulus treibt den unreinen Geist aus „im Namen Jesu“. (In der Autorität Jesu).

  1. Kor. 5,4: Paulus spricht Gericht aus „im Namen Jesu“.

Gebet im Namen Jesu heißt beten auf das Geheiß Jesu hin; weil Jesus uns dazu autorisiert hat.

Ein Name repräsentierte die ganze Person, seinen ganzen Charakter. Einen „guten Namen“ zu haben (Spr. 22,1; Pred. 7,1) heißt, einen guten Ruf zu haben. Der Name sagt also etwas über das Wesen aus. Gebet „im Namen Jesu“ heißt also auch: so beten, wie es dem Charakter Jesu entspricht. So beten, wie es seinem Willen entspricht.

  1. Joh. 5,14-15: „Wenn wir um etwas bitten nach seinem Willen, so hört er uns. Und wenn wir wissen, dass er uns erhört, worum wir auch bitten, so wissen wir, dass wir erhalten, was wir von ihm erbeten haben.“

Man darf also ruhig anhängen „im Namen Jesu“, wenn man versteht, was gemeint ist. Es ist aber auch nicht nötig. Es ist aber keine magische Formel, die dazu führt, dass das Gebet erhört wird, wenn man einfach am Ende anhängt „im Namen Jesu.“

Man könnte so das Gebet einleiten, was (sinngemäß) dem entspricht, „in der Autorität“ Jesu / im Namen Jesu zu beten:

„Vater, wir kommen zu Dir in der Autorität unseres Herrn Jesus, deines Sohnes…“

„Vater, wir kommen nicht aufgrund unseres eigenen Verdienstes / unserer Werke, sondern wegen des vollendeten Werkes Jesu, der uns eingeladen hat, vor dich zu kommen…“

„Vater, wir danken dir für die Vergebung unserer Sünden und dass du uns Zugang zu deinem Thron gegeben hast durch das Werk Jesu Christi…“

Man muss das nicht aussprechen, es reicht auch, dass uns das im Herzen klar ist.

Echtes Gebet = Kommunikation zwischen zwei Personen, die sich kennen; Formeln nicht nötig.

B.4. Sollten wir zum Vater, zu Jesus oder zum Heiligen Geist beten?

Gebet zum Vater:

– Die meisten Gebete im NT: Gebet zum Vater, „durch den Sohn“. Vgl. das Vaterunser in Matth. 6. Siehe auch Joh. 16,23; Eph 5,20.

==> Gebet an den Vater adressieren ist also sicherlich richtig.

Gebet zum Sohn:

– Aber Gebet zu Jesus ist auch legitim. Apg. 1,24 (Gemeinde betet zum „Herrn“). Apg. 7,59 (Stephanus betet zum Herrn Jesus). Apg. 9,10-16 (Hananias) ist an Jesus gerichtet.

– 1. Kor. 16,22: Unser Herr, Komme (ist an Jesus gerichtet).

– 2. Kor. 12,8: Paulus bat zu Jesus wegen seines Dorns im Fleich.

– Off. 22,20: „Komm, Herr Jesus“. 

Jesus wird als Mittler bezeichnet. Als Hohepriester, der barmherzig ist etc. (Hebr. 2,17; 4,15.15). Das sollte uns ermutigen, zu ihm zu beten.

==> Gebet an den Sohn adressieren ist also auch richtig.

Gebet zum Heiligen Geist:

Keine konkreten Beispiele im NT. Aber der Heilige Geist ist Teil des dreieinigen Gottes. Er ist ganz Gott. Er ist eine Person. Wir können auch mit ihm eine Beziehung haben.

Der Heilige Geist handelt auch an uns in persönlicher Weise:

– Der Hl. Geist ist Tröster (Joh. 14,16.26)

– Der Hl. Geist gibt uns Zeugnis, dass wir Gottes Kinder sind (Rö. 8,16)

– Der Hl. Geist kann durch unsere Sünde betrübt werden (Eph 4,30)

– Der Hl. Geist verteilt Gaben, wie es ihm gefällt. 1. Kor. 12,11.

In der Kirchengeschichte sind zahlreiche bekannte Lieder an den Hl. Geist adressiert. („Veni creator spiritus“, Rabanus Maurus, 9. Jhd.; wurde in kathol. Kirche zu Pfingsten und im Anglikanischen „Book of common prayer“ gesungen, im evangelischen Gesangbuch Luthers, etc.)

==> Gebet zum Hl. Geist ist eher selten, aber ist wohl auch nicht falsch.

B.5. Die Rolle des Hl. Geistes bei unserem Gebet.

Römer 8,26: „Der Hl. Geist hilft uns in unserer Schwachheit. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich‘s gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen. Der aber die Herzen erforscht, der weiß, worauf der Sinn des Geistes gerichtet ist; denn er vertritt die Heiligen, wie es Gott gefällt.

Wir dürfen vertrauen, dass der Heilige Geist uns hilft im Gebet. Eph. 6,18: „Betet allezeit mit Bitten und Flehen im Geist und wacht dazu mit aller Beharrlichkeit im Gebet für alle Heiligen“.

Judas 20: „Erbaut euch auf euren allerheiligsten Glauben, und betet im heiligen Geist“.

D.h.: Beten im Bewusstsein, dass uns Gottes Gegenwart umgibt und uns heiligt und unsere Gebete.

Und beten aus einem Leben des Gehorsams zu Gott.

C. Wie betet man richtig? Einige wichtige Punkte.

C.1. Gebet nach Gottes Willen.

  1. Joh. 5,14-15: „Wenn wir etwas bitten nach seinem Willen, wird er uns erhören“.

Math. 6,10: „Dein Wille geschehe“.

Matth. 26,39: „Herr, nimm diesen Kelch von mir, aber dein Wille geschehe“.

Aber woher wissen wir, was Gottes Wille ist?

– Wir sollten die Schrift kennen. Wenn etwas dem direkten Gebot Gottes widerspricht, ist es nicht nach Gottes Willen. Wir sollen uns darum bemühen, im perfekten Gehorsam zu Gottes moralischem Willen in Gottes Wort zu leben, und entsprechend zu beten. (Gottes „moralischer Wille“ ist durch seine Gebote zum Ausdruck gebracht).

– Früheste Christen waren tief in der Schrift verwurzelt, haben schriftgemäß gebetet. (Apg. 4,25-26)

– Regelmäßiges Lesen der Bibel, Stellen auswendig lernen etc. wird über die Jahre die Tiefe, Kraft und Weisheit unseres Gebetes vergrößern.

– Johannes 15,7: „Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch zuteil werden“.

Zum Beispiel Gebet um Weisheit für eine wichtige Entscheidung. Das ist klar gemäß Gottes Willen, siehe Jakobus 1,5-8. „Wenn es jemand von euch an Weisheit mangelt, der bitte Gott, der jedermann gern gibt und niemanden schilt“ etc.

==> Wir sollten großes Zutrauen haben, dass Gott unsere Gebete erhört, wenn unser Gebet im Einklang mit einer Verheißung Gottes oder einem Gebot Gottes in der Bibel steht.

„Hilf mir, an diesem Punkt in meinem Leben deinen Willen zu tun“ etc. (eine bestimmte Sünde oder Schwäche zu überwinden etc.) ==> das ist sicher gemäß Gottes Willen.

Oft wissen wir aber nicht, oder nicht genau, was Gottes Wille ist.

– Sollen wir den Job erhalten?

– Sollen wir dieses Fußballspiel gewinnen?

– Sollen wir für diese Aufgabe in der Gemeinde gewählt werden? Etc.

Dann sollten wir uns bemühen, allgemeine Prinzipien aus Gottes Wort anzuwenden. (Wird mich der Job von Gott wegführen? Trägt er zu meiner Berufung bei? Etc.)

– Um tieferes Verständnis beten. Dann einfach das beten, was uns jetzt richtig erscheint, z.B. „Herr, schenke mir, dass ich diese Arbeitsstelle bekomme“, und hinzufügen: „aber dein Wille geschehe“.

Manchmal erhört Gott uns.

– Manchmal erhört er uns nicht direkt, sondern möchte unser Herz verändern, sodass wir etwas anderes beten. Gebet war nützlich, obwohl wir unseren Willen zum Teil nicht bekommen haben.

– Manchmal erhört er uns auch gar nicht, sondern erwartet, dass wir uns seinem Willen beugen.

– 2. Kor. 12,9-10: Paulus hatte dreimal gefleht, befreit zu werden vom Pfahl im Fleisch etc., aber Gott sagt: „Lass Dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“. Paulus reagiert richtig: er klagt nicht: „(10)Darum will ich mich rühmen der Schwachheit“.

Jesus in Getsehmane, Matth. 26,39.42: „Mein Vater, ist‘s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!“ Der Vater nahm den Kelch nicht von ihm.

– Generell gilt: Gott ist der gute Vater, der auch gerne die Bitten seiner Kinder hört.

Es ist auch wichtig, auf Gott zu hören.

– Eine Bitte vor Gott bringen, dann Zeit nehmen, zu hören auf Gott. Still sein vor Gott.

Ps. 27,14 „Harre des Herrn! Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!“

Ps. 38,16: „Aber ich harre, Herr, auf dich; du, Herr, mein Gott, wirst erhören“.

Ps. 130,5-6: „Ich harre des Herrn; meine Seele wartet auf den Herrn.“

C.2. Bete im Glauben und mit Vertrauen

Mk. 11,24: „Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr‘s empfangt, so wird‘s euch zuteil werden.“

Diesen Glauben, dass wir es empfangen, können wir aber nicht aus uns selbst erzeugen. Nur Gott kann uns diese Sicherheit geben: Durch generelle Verheißungen aus seinem Wort, dass dies ein angemessenes Gebet ist (z.B. Wem es an Weisheit mangelt, der bete… – da wissen wir, dass wir erhört werden.

Oder durch ein spezifisches Wort von Gott. Der Mutter von Augustinus (Monika) wurde gesagt, dass Gott ihr Gebet für den Sohn erhört. Das haben wir vielleicht nicht jedes mal, wenn wir beten.

Weitere Bibelstellen, die das Gebet aus Glauben ermutigen.

Matth. 21,22: „Alles, was ihr bittet im Gebet, wenn ihr glaubt, so werdet ihr‘s empfangen.“

Jakobus 1,6: „Er bitte aber im Glauben und zweifle nicht.“

Gebet ist kein Wunschdenken. Die Basis ist: die Person Gottes (sein Charakter als guter Vater, etc.), sowie das Wort Gottes (was das Wort Gottes verheißt), sowie das konkrete Reden Gottes.

Man kann sich also nicht selber irgend etwas beliebiges zurechtlegen und sagen: „Wenn ich nur genug glaube, bekomme ich das.“

C.3. Gehorsam

Gebet ist Teil unserer Beziehung zu Gott (Kommunikation), also mit einer Person. Aller Ungehorsam gegenüber Gottes Geboten – alles, was Gott in unserem Leben nicht gefällt – ist ein Hinderungsgrund dafür, dass Gebete erhört werden.

Ps. 66,18: „Wenn ich Unrechtes vorgehabt hätte in meinem Herzen, so hätte der Herr nicht gehört.“

Sprüche 15,8: „Der Gottlosen Opfer ist dem Herrn ein Greuel; aber das Gebet der Frommen ist ihm wohlgefällig.“

Sprüche 15,29: „Der Herr ist ferne von den Gottlosen; aber der Gerechten Gebet erhört Gott.“

In Afrika sagt man: „Don‘t beat your wife – or you‘ll go to bed hungry“.

(Das hört man mit Schmunzeln, da man es natürlich nicht nur aus diesem Grund nicht tun sollte).

Aber das Prinzip ist dasselbe: Unser Fehlverhalten gegenüber Mitmenschen führt dazu, dass eine spätere Bitte nicht erfüllt wird. Fehlverhalten blockiert menschliche Beziehungen – so auch bei Gott. Unsere Sünde blockiert die Beziehung zu Gott.

Jes 59,1-2 sagt genau das: „Gott kann helfen, aber eure Verschuldungen trennen euch von Gott.“

Sprüche 28,9: „Wer sein Ohr abwendet, um die Weisung nicht zu hören, dessen Gebet ist ein Greuel.“

Psalm 34,16-18: „Die Augen des Herrn merken auf die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Schreien. Das Angesicht des Herrn steht wider alle, die Böses tun, dass er ihren Namen ausrotte von der Erde.  Wenn die Gerechten schreien, so hört der Herr, und errettet sie aus all ihrer Not.“

(1. Petrus 3,12 zitiert das – es ist also nicht nur „alttestamentliche Theologie“.)

==> Gott erhört die Gebete derer, die im Gehorsam zu ihm leben.

  1. Johannes sagt, unsere Gebete werden nur erhört, wenn wir ein gutes Gewissen haben; das ist aber nur der Fall, wenn wir im Gehorsam gegenüber Gott leben.
  2. Joh. 3,21-22: „Ihr Lieben, wenn uns unser Herz nicht verdammt, so haben wir Zuversicht zu Gott, und was wir bitten, werden wir von ihm empfangen; denn wir halten seine Gebote und tun, was vor ihm wohlgefällig ist.“

Aber: wir müssen nicht perfekt sein, bevor wir zu ihm kommen. Sonst würde Gott nur das Gebet Jesu erhören, nur Jesus war sündlos.

Wir kommen als solche, deren Sünden durch das Blut Jesu vergeben sind. (Römer 3,25; 5,9; Eph. 2,13; Hebr. 9,14; 1. Petr. 1,2).

Trotzdem sollen wir den Fokus der Bibel auf geheiligten Lebensstil nicht außer Acht lassen!!

Generell gilt: mehr Gehorsam und geheiligtes Leben ==> Mehr Gebetserhörungen.

Hebr. 12,4: „Ihr habt noch nicht bis aufs Blut widerstanden im Kampf gegen die Sünde…“

Hebr. 12,14: „Jagt dem Frieden nach mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird.“

Jakobus 4,4: „Ihr bittet und empfangt nicht, weil ihr in übler Absicht bittet, nämlich damit ihr‘s für eure Gelüste vergeuden könnt. Ihr Abtrünnigen, wißt ihr nicht, dass Freundschaft mit der Welt Feindschaft mit Gott ist? Wer der Welt Freund sein will, der wird Gottes Feind sein.“

C.4. Sündenbekenntnis.

Weil Gott heilig ist, und wir nie perfekt gehorsam sein können, sind wir darauf angewiesen, immer wieder um Vergebung für unsere Sünden zu bitten.

Vaterunser: Mt. 6,9: „Vergib uns unsere Sünden, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“

  1. Joh. 1,8.9: „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.“

Auf Gott „warten im Gebet“ – dann zeigt er uns weitere unbekannte Sünde.

Psalm 19,13: Mit David beten: „Wer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeihe mir die verborgenen Sünden“.

Jakobus 5,16: „Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.“

(Manchmal hilft es, einem Bruder oder einer Schwester im Vertrauen Sünden zu bekennen und zusammen zu beten. Am besten mit jemand vom gleichen Geschlecht.)

C.5. Anderen vergeben.

Math. 6,14.15: „Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“

Genauso in Mk 11,24.25: „Darum sage ich euch: Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr‘s empfangt, so wird‘s euch zuteil werden. Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemanden habt, damit auch eurer Vater im Himmel euch vergebe eure Übertretungen.“

(Vergebung direkt im Kontext mit Verheißung zur Gebetserhörung). 

Kausalkette: Wir vergeben anderen nicht (nachtragende Haltung)==> Gott vergibt uns auch nicht ==> Unsere Beziehung zu Gott durch unvergebene Sünde gestört ==> Weniger Gebetserhörungen.

Eine mögliche Antwort auf die Frage „Warum passiert so wenig mit Gott in meinem Leben“ könnte sein: Weil Du anderen zu wenig vergeben hast.

C.6. Demut.

Die angemessene Haltung gegenüber Gott ist die Demut. Wir sind Bittsteller. Er ist allwissend, allmächtig, heilig, ewig; wir sind schwache, fehlbare Geschöpfe, die ihn schon oft provoziert haben durch unsere Gleichgültigkeit, Sünde, etc.

Jakobus 4,6: „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“

  1. Petr. 5,5: „Desgleichen, ihr Jüngeren, ordnet euch den Ältesten unter. Alle aber miteinander haltet fest an der Demut; denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“

Vgl. Lukas 18,9-14: Vom Pharisäer und Zöllner.

„Der Pharisäer betete so: „Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die anderen Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.“

Der Zöllner aber stand von ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: „Gott, sei mir Sünder gnädig.

Ich sage euch: dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.“

Vielleicht könnte man das Gleichnis auf heute ummünzen: Der Evangelikale betet: „Herr, danke, dass ich nicht bin wie der Landeskirchler oder der Katholik, denn ich gehe in die Bibelstunde.“ :-))

Matth. 6,5: „Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn schon gehabt.“

Lk. 20,47: „Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die es lieben, in langen Gewändern einherzugehen, und lassen sich gern grüßen auf dem Markt und sitzen gern obenan in den Synagogen und bei Tisch; sie fressen die Häuser der Witwen und verrichten zum Schein lange Gebete.“

Wer stolz ist, gibt sich selber die Ehre. Gott will aber keinem anderen die Ehre geben, als sie gebührt, und sie gebührt nur Gott. Also erhört er nicht das Gebet von Stolzen.

C.7. Anhaltendes Gebet – auch für längere Zeit.

Mose betete zweimal jeweils 40 Tage auf dem Berg für Israel. 5. Mose 9,25-26; 10,10-11.

  1. Mose 32,27: Jakob sagt zu Gott: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“

Lukas 5,16: „Jesus zog sich zurück in die Wüste und betete.“

Lukas 6,12: „Jesus blieb die Nacht über im Gebet.“

Lk 18,1-8: Von der bittenden Witwe: Kann langanhaltendes Gebet für eine bestimmte Sache sein.

Paulus betete drei mal, dass der Dorn im Fleisch weggenommen werden sollte: 2. Kor. 12,8.

C.8. Ernsthaftes Gebet.

Hebr. 5,7: „Jesus hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht, der ihn vom Tode erretten konnte“. (Wenn Jesus das nötig hat, wieviel mehr wir?)

Vgl. Daniel 9,19; Amos 7,2

C.9. Auf den Herrn warten

Psalm 27,14; Psalm 38,15; Psalm 130,5-6. Spezifisch bitten. Und geduldig auf eine Antwort warten. Beides zeigt meine Ernsthaftigkeit.

Vgl. Einladung zum Abendessen. Nicht „Du kannst gerne mal irgendwann zum Essen kommen“ (ist nicht spezifisch genug, vgl. „Herr, segne alle Missionare in Afrika und Asien“; beides vermutlich ohne Antwort).

Nicht „Kommst du heute abend?“, und sich sofort umdrehen und weggehen, sondern auf Antwort warten. Nicht „Herr, gib mir Geduld. Also? Wo bleibt sie?“  

C.10. Gebet im privaten Kämmerlein

Daniel 6,10; Lukas 5,16; Matth. 6,6. Apg. 12,5; 12-16. (Dort die Beziehung zu Gott aufbauen).

C.11. Gebet mit anderen

Auch das hat Verheißung. Mt 18,19-20: „Wenn zwei oder drei eins sind, bin ich mitten unter ihnen“.

C.12. Fasten

Fasten hat eine besondere Verheißung. Für uns als einzelne, als auch für uns als Gemeinde.

Esther 4,3; Joel 2,12; Lukas 2,37; Apg. 13,2; Apg. 14,23.

5 Vorteile von Fasten: 1. Fasten vermehrt unsere Demut; 2. Erlaubt uns mehr Zeit für Gebet (kein Essen kaufen, bereiten, essen, abwaschen); 3. Erinnert uns, dass wir uns ganz Gott opfern sollen. (Rö. 12,1.2). 4. Gute Übung der Selbstdisziplin. 5. Erhöht geistliche Aufmerksamkeit /Wachheit.

(Fasten hilft also bei dem, wozu Kantate 70 aufruft: Wachet! Betet! Betet! Wachet!)