Paul Clark

Bibeltext: Epheser 2,11-22

Hintergrund zum Epheserbrief

Ephesus war damals die wichtigste Hafenstadt Kleinasiens und die viertgrößte Stadt im Römischen Reich. Die Ruinen von Ephesus sind heute nicht weit von Izmir in der westlichen Türkei zu finden.

Paulus verbrachte insgesamt drei Jahre in Ephesus. In dieser Zeit baute er dort die Gemeinde auf.

Apostelgeschichte 18,19: Und sie kamen nach Ephesus und er ließ die beiden dort zurück; er aber ging in die Synagoge und redete mit den Juden. 

Römer 1,16: Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen.

Hintergrund von Juden damals die Christen würden!

Ulrike Heitmüller: Jesus war Jude, und die ersten Christen waren Juden. Erst der Apostel Paulus missionierte intensiv unter den “Heiden”, also den Griechen. Daher übrigens – nicht von einer Umbenennung wegen seiner eigenen Bekehrung! – auch seine beiden Namen – Saul ist hebräisch, Paulus hellenistisch. Die Autoren der Bücher und Briefe, die das NT bilden sollten, waren überzeugt, dass Jesus der Sohn des jüdischen Gottes Jahwe war und mit ihm eine neue Zeit begann. Galater 4,4: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn.“ Ab dem Urchristentum wurden viele Prophezeiungen aus dem AT wie Jeremia 31, 31-34 auf Jesus hin interpretiert: „Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen.“ Die ersten Christen nahmen diesen Gedanken des neuen Bundes auf. Sie sahen ihn in Jesus Christus erfüllt: “Durch seinen Tod am Kreuz begründet er den neuen Bund, der nicht mehr nur dem Volk Israel, sondern allen Menschen gilt und ihnen die Vergebung ihrer Sünden zuspricht.“

Die ersten Christen interpretierten die alten Prophezeiungen so, dass Jesus der dem Volk Israel verheißene Herrscher sei Im NT heißt Jesus oft “Christus”, was die wörtliche Übersetzung von Maschiach ins Griechische ist, also “Gesalbter” bedeutet und zunächst ein Titel und später ein Eigenname für Jesus war.

In der damaligen Gesellschaft herrschten Spannungen zwischen den Juden und den Nichtjuden.

Ein Beispiel dafür ist die Begebenheit, als Jesus mit der Frau aus Samarien sprach.

Johannes 4, 9: Da spricht die samaritische Frau zu ihm: Wie, du, ein Jude, erbittest etwas zu trinken von mir, einer samaritischen Frau? Denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den Samaritern.

Auch in der Urgemeinde gab es bereits Spannung zwischen Juden und Christen.

Viele die ersten jüdischen Christen hielten es nicht für möglich, dass auch die Heiden zu Christen werden könnten, bis Petrus seine Vision bekam. Diese finden wir in der Apostelgeschichte, Kapitel 10.

Im Galaterbrief musste Paulus einige die jüdischen Christen beispielsweise ermahnen, weil sie lehrten, dass die Nichtjuden beschnitten werden und zum Judentum konvertieren müssten. Paulus macht in seinen Briefen sehr klar, dass wir aus Gnade durch Glauben gerettet sind und dass die Einhaltung der jüdischen Gesetze keine Voraussetzung mehr für unsere Erlösung ist.

Kulturelle Unterschiede sind auch heute noch eine Herausforderung für die Christen und die Ortsgemeinden.

Epheser 2,14: Denn er ist unser Friede, der aus beiden “eines” gemacht hat und den Zaun abgebrochen hat, der dazwischen war, nämlich die Feindschaft. Durch das Opfer seines Leibes.

Wenn ich das Wort „Zaun“ in diesem Zusammenhang höre, denke ich an Trennung. An Teilung. Abspaltung und Bruch. Ich werde nie vergessen, was für ein unheimliches Gefühl es war, als ich als junger Mann im, an einem Tag in Westberlin und am nächsten in Ostberlin vor dem Brandenburger Tor stand, das komplett verbarrikadiert war. Damals wie heute finde ich es einfach unfassbar, wie Menschen eine Stadt, die für Hunderte von Jahren vereint gewesen war, einfach teilen konnten.

Im Sommer 1989 fragte mich jemand, was ich glaubte, wie lange die Berliner Mauer noch stehen würde. Ich antwortete, dass sie sicher mindestens noch so lange stehen würde, wie ich lebe. Damit lag ich so falsch!

Ich glaube, dass Gott die Mauer, die Ost- und Westberlin trennte, im November 1989 in seiner Souveränität einstürzen ließ, genauso wie er in seiner Souveränität durch die Herrschaft seines Sohnes Jesus Christus Juden und Heiden und alle anderen Völker vereinen will.

Wie die Deutschen jedes Jahr am 3. Oktober die Wiedervereinigung feiern, sollten wir auch Gottes Erlösungsplan feiern, mit dem er durch seinen Sohn Jesus all jene, die seit Jahren oder gar Jahrhunderten voneinander getrennt sind, versöhnen will.

Um zwischen denen, die in Feindschaft miteinander leben, dauerhaften Frieden zu stiften, war es nötig, dass Gott alles auf eine Karte setzte:

Epheser: 2,16: und die beiden versöhne mit Gott in einem Leib durch das Kreuz, indem er die Feindschaft tötete durch sich selbst. 

Das größte Opfer, das im Lauf der Geschichte je erbracht wurde, war, dass ein Mensch an einem hässlichen Holzkreuz sein Leben hingab – nicht nur, damit Juden und Heiden vereint würden, sondern auch damit all jene, die ihn „Herr“ nennen, den Frieden erfahren, „der allen Verstand übersteigt“.

Deshalb feiern wir heute das Abendmahl.

Das Abendmahl dient der Erinnerung daran, was Jesus am Kreuz für uns getan hat.

Wir feiern das Abendmahl im Gedenken an ihn.

Siegfried Zimmer: Eine Hinrichtung, die eine gute Nachricht sein soll? Dieser Mann kämpft nicht gegen seine Feinde, er kämpft um sie.

Jesus sagte zum Dieb am Kreuz: „Heute wirst du mit mir in Paradis sein.“

Campbell Morgen: Im Kreuz sehe ich meine Sünde. Im Kreuz sehe ich Gottes Gnade. Und, hört mich, Seine Gnade ist mächtiger als meine Sünde.

Das Buch Jesaja, das 700 Jahre vor Christus verfasst wurde, beschreibt in Kapitel 53 prophetisch die Kreuzigung Jesu.

In Kapitel 9 ist die Rede von dem kommenden Messias als Friedefürst.

Am Palmsonntag, ritt Jesus auf einem Esel in die Stadt Jerusalem. Wenn jemand auf einem Esel ritt, war das zu dieser Zeit ein Zeichen des Friedens.

Einige der Nachfolger von Jesus wollten, dass er die Römische Besatzung aufhob, damit sie mit ihm als König eine irdische Herrschaft aufbauen konnten.

Jesus betonte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“

Die Worte, die Jesus zu seinen Jüngern sprach, bevor er diese Erde verließ, klingen auch heute noch laut und deutlich in unseren Ohren:

Johannes 14, 27 HFA: Meinen Frieden gebe ich euch – einen Frieden, den euch niemand sonst auf der Welt geben kann. Deshalb seid nicht bestürzt und habt keine Angst!”

Der Friede Jesu kann Ehen heilen, zerbrochene Beziehungen wiederherstellen, Konflikte unter Kollegen lösen und die Herzen erbitterter Väter verändern, sodass sie ihre widerspenstigen Kinder wiederlieben können.

Blaise Pascal: Es ist nicht auszudenken, was Gott aus den Bruchstücken unseres Lebens machen kann, wenn wir sie ihm ganz überlassen.

Jesus will dir Frieden schenken – seinen Frieden, den dir niemand nehmen kann.

Apps mögen alle Antworten liefern, mit Ausnahme der Entscheidend. Kein App kann mir sagen, was der Sinn mein Leben ist oder wo ich Frieden finden kann.

Paulus beschreibt die Vollendung und den Lohn der Versöhnung zwischen Juden und Nichtjuden:

Epheser 2,18 Denn durch ihn haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater.

Wir dürfen Gott „Abba, Vater“ nennen! Das bedeutet, dass wir eine sehr enge und persönliche Beziehung mit unserem himmlischen Vater haben können

Psalm 68,6: Ein Vater der Waisen und ein Helfer der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung,

Gottes Vaterherz zeigt sich auf vielfältige Weise. Die Frage ist, wie wir damit umgehen. Wir sind herausgefordert, auf die Liebe Gottes mit Vertrauen zu reagieren. 

Selbst die engste und liebevollste Beziehung mit einem weltlichen Vater lässt sich nicht mit der alles übersteigenden Liebe unseres himmlischen Vaters vergleichen, der uns kennt, wie uns nie ein anderer Mensch kennen wird.

Wir waren von Gott getrennt, aber durch die Errettung sind wir als Christen für immer miteinander vereint.

Epheser 2, 19- 22: So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. Durch ihn werdet auch ihr mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.

Galater 3,27-28: Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen.  Es gibt nicht mehr Juden noch Griechen, nicht mehr Sklaven noch Freien, nicht mehr männlich noch weiblich; denn ihr seid alle einer in Christus Jesus.  

Paul Tripp fasst diese Versöhnung auf sehr praktische Weise zusammen: Die Gemeinde ist kein theologisches Klassenzimmer. Sie ist das Zentrum von Bekehrung, Bekenntnis, Buße, Versöhnung, Vergebung und Heiligung, wo fehlerhafte Menschen ihren Glauben auf Christus setzen, sich versammeln, um ihn besser kennen- und lieben zu lernen, andere zu lieben, wie er es vorgesehen hat.

Lass uns heute und an keinem anderen Tag je aufhören, Gott dafür zu danken, dass wir nicht länger nur: „Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen…”

Epheser 2,14: Denn er ist unser Friede, der aus beiden “eines” gemacht hat und den Zaun abgebrochen hat, der dazwischen war, nämlich die Feindschaft. Durch das Opfer seines Leibes.