Paul Clark

Epheser 5,15: „So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise …“

Meine heutige Predigt basiert auf dem Buch Glaubens-Riesen – Seelen-Zwerge von Peter Scazzero.

Der englische Titel des Buchs hört sich viel positiver an.

Er lautet: Emotional Healthy Spirituality (wörtlich: „Emotional gesunde Geistlichkeit“).

Peter Scazzero schreibt darin: „Obwohl ich Jesus aufrichtig liebte und viele theologische Wahrheiten glaubte, war ich in emotionaler Hinsicht ein Kleinkind, das nicht bereit war, sich seiner Unreife zu stellen.“

Gott hat uns nach seinem Ebenbild als ganzheitliche Menschen erschaffen. Diese Ebenbildlichkeit schließt neben den geistlichen auch intellektuelle, körperliche, soziale und emotionale Aspekte ein.

Der Herr möchte, dass wir in all diesen Bereichen wachsen und uns weiterentwickeln, damit wir schließlich auch geistlich wachsen können.

Unsere Gefühle zu ignorieren bedeutet, der Realität den Rücken zu kehren. Auf unsere Gefühle zu hören bedeutet, der Realität ins Auge zu sehen. Und die Realität ist der Ort, wo wir Gott begegnen.

In den folgenden Versen erfahren wir, wie wir unsere Gefühle gegenüber dem Herrn zum Ausdruck bringen können:

Prediger 3,4: „… weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit …“

Salomo sagt uns hier, dass es für alles eine Zeit gibt. Natürlich können wir nicht immer weinen oder tanzen.

Psalm 5,2-3 und 12:HERR, höre meine Worte, merke auf mein Reden! Vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott; denn ich will zu dir beten. Lass sich freuen alle, die auf dich trauen; ewiglich lass sie rühmen, denn du beschirmest sie.“

Emotionen sind die Sprache unserer Seele! Und die Gefühle, die wir verspüren, wenn wir in großer Not sind, sind ihre Schreie.

Ich bin fasziniert von den mächtigen Eisbergen, die auf den Meeren dieser Welt dahintreiben. Es ist sehr interessant, dass der Teil, der sich unterhalb der Wasseroberfläche befindet, viel größer ist als die Spitze, die aus ihr herausragt.

Dieses Bild lässt sich auch auf unser Leben anwenden. Die meisten Menschen sehen nur, was an der Oberfläche ist – unser Aussehen, unser Verhalten, unsere Reaktionen. Aber unter der Oberfläche verbergen sich oft große Nöte, die niemand sieht.

Das können beispielsweise sein:

  1. Situationen aus unserer Vergangenheit, die wir einfach nicht vergessen oder verarbeiten können.
  2. Emotionale und körperliche Einschränkungen.

Ich wurde mit einer Augenkrankheit geboren. Das war als Kind und als junger Erwachsener alles andere als einfach für mich. Es war hart, von den anderen Kindern in der Schule gemobbt zu werden, nur weil ich anders war. Aber mit der Zeit erfuhr ich allmählich innere Heilung vom Herrn. Heute sehe ich mein Augenleiden nicht länger als Einschränkung an, sondern als eine Gelegenheit, Gottes Kraft zu bezeugen. In 2.Korinther 12,9 heißt es: „Und er hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung.“

  1. Traurigkeit und Kummer wegen Situationen, die wir nicht ändern können.
  2. Die Trauer über Verluste.
  3. Die Unfähigkeit zu vergeben.
  4. Der Mangel an gesunder Selbstannahme.

Jesus will uns nicht nur an der Oberfläche unseres Lebens nahe sein. Er möchte uns in unserem Inneren, im tiefsten, verborgensten Teil unseres Seins begegnen und uns in allen Herausforderungen, mit denen wir zu kämpfen haben, zur Seite stehen.

Wenn wir unsere Gefühle – die positiven wie die negativen – unterdrücken,  schließen wir eine Tür, durch die wir Gott erkennen können.

Psalm 34,7; 18 und 19: „Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten. Wenn die Gerechten schreien, so hört der HERR und errettet sie aus all ihrer Not. Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.“

In Kapitel 9 seines Buchs ermutigt uns Peter Scazzero, emotional erwachsen zu werden.

Wer wirklich lieben will, muss über emotionale Reife verfügen. Gott kann auch zu uns sprechen, wenn wir unter Depressionen leiden oder wütend sind. Unsere Gefühle sind für ihn kein Hindernis.

Kontrast von zwei Stufen:

Ein emotionales Baby …

… erwartet, dass andere für es sorgen

… kann sich nur schwer auf die Welt anderer einlassen

… braucht die sofortige Befriedigung jeglicher Bedürfnisse.

Ein emotional Erwachsener …

… kann seine Wünsche und Bedürfnisse ehrlich und ohne Umschweife äußern

… weiß, dass er selbst für seine Gedanken und Gefühle verantwortlich ist und wird
     dieser Verantwortung gerecht

… steht auch in Stresssituationen zu seinen Überzeugungen und Werten, ohne
     dabei anderen gegenüber feindselig zu werden

… respektiert andere wie sie sind, ohne sie ändern zu wollen

… schätzt Menschen für das, was sie sind, nicht für das, was sie ihm geben können

… kennt seine Grenzen, seine Stärken und Schwächen und kann anderen
     gegenüber dazu stehen.

Gott will uns helfen, geistlich und emotional reifer zu werden.

Philipper 2,13: „Denn Gott ist’s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.“

Eine deiner Lebensregeln sollte es sein, dein Leben so zu gestalten, dass die Liebe Gottes darin an erster Stelle steht.

Es ist interessant, dass verschiedene Menschen in der frühen Geschichte Mönchsorden ins Leben riefen, um Gott und anderen besser dienen zu können. In diesen Orden entwickelten sie Lebensregeln, die ihren Mitgliedern dabei halfen, sich auf ihren Dienst und ihr tägliches Leben zu konzentrieren.

Natürlich leben wir nicht in einem von der Welt abgetrennten Orden, sondern in einem sehr hektischen, geschäftigen Umfeld.

Deshalb ist es für uns umso wichtiger, dass wir wissen, wie wir leben müssen, um Gott und anderen dienen zu können. In der Bibel finden wir viele Beispiele von Männern und Frauen, die das ganz genau wussten.

Daniel ist ein großartiges Beispiel für einen Menschen, der Lebensregeln entwickelte. Als junger jüdischer Mann, der hohes Ansehen genoss und Teil des Königshofs in Babylon war, war es sehr wichtig, dass er Gott treu ergeben blieb. Er wusste, was er essen konnte und was nicht. Er betete regelmäßig drei Mal am Tag.

Wir müssen einen Plan für unser Leben haben. Ein Auto, das fährt, ist leichter zu lenken als ein Auto, das stillsteht.

Ich hatte einmal einen Freund, der den Tag über des Öfteren auf die Knie ging und Gott für alles dankte, was ihm gerade in den Sinn kam.

Und ich erinnere mich an einen Pastor, der mir sagte, dass er jeden Tag mit dem Auto an einen ruhigen Ort außerhalb der Stadt fuhr, um dort zu beten und in der Bibel zu lesen.

Die Einflüsse dieser Welt sind sehr stark, und wenn wir nicht aktiv werden und Lebensregeln entwickeln, die Gott wohlgefällig sind, werden diese Einflüsse unseren Glauben vermindern oder gar zerstören. Es macht mich sehr traurig zu sehen, wie viele christliche Ehen im Lauf der Jahre gescheitert sind. Wir brauchen auch für diesen Bereich unseres Lebens konkrete Regeln, um unsere Ehen zu stärken. Ja, überall um uns herum herrscht ein geistlicher Kampf. Der Feind tut, was er nur kann, um unseren Glauben an Gott zu zerstören.

Hier ist eine Liste von Lebensregeln, die Peter Scazzero in seinem Buch aufgeführt hat. Anhand dieser Punkte sollten wir unser Leben immer wieder neu überprüfen.

Mein Gebet ist, dass du dich von dieser Liste nicht überwältig fühlst, sondern dir vom Herrn einen Punkt daraus zeigen lässt, an dem du arbeiten solltest. Außerdem bete ich, dass der Herr dir zeigen wird, welche Schritte du tun musst, um im Hinblick auf diese spezielle Lebensregel zu wachsen.

Gebet:
Bibel lesen

Stille und Einsamkeit
Studium
Stundengebet

1.Thessalonicher 5,17: „Betet unablässig!“

Wir müssen uns Zeit allein mit unserem Gott nehmen, um sein Wort zu studieren. Kürzlich las ich von einem der Könige aus dem Alten Testament. Das war sehr interessant, und ich habe mir vorgenommen, mehr darüber in Erfahrung zu bringen, was über ihn berichtet wird.

Ich hörte von jemandem, der sein Handy so eingestellt hat, dass es jede Stunde blinkt oder klingelt und ihn so daran erinnert, ein schnelles Dankgebet zu sprechen.

Ruhe:
Sabbat / Ruhetage
Einfaches Leben
Spiel, Spaß und Erholung

Psalm 62,2: „Aber sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung.“

Die verheißene Gottesruhe:

Hebräer 4,11: „So lasst uns nun bemüht sein, in diese Ruhe einzugehen, damit nicht jemand zu Fall komme wie in diesem Beispiel des Ungehorsams.“

Ich glaube, Gott will, dass wir zur Ruhe kommen. Das bedeutet nicht, dass wir faul werden, aber es bedeutet, dass wir eine Leichtigkeit vom Herrn genießen. Wir sind oft sehr angespannt, weil wir sehr viel zu tun haben und uns unzählige Gedanken durch den Kopf gehen, aber wir müssen loslassen und Gott ans Werk lassen. Sein ist wichtiger als tun.

Arbeit / Aktivitäten
Dienst / Engagement

Gesunde Lebensweise

Wenn wir arbeiten – sei es in der Gemeinde oder an unserem Arbeitsplatz – sollten wir das gewissenhaft tun. Und wir sollten nicht nur arbeiten, wenn der Chef uns zusieht.

Vielleicht hast du schon einmal von der 80/20-Regel gehört, die besagt, dass 20 Prozent der Gemeindemitglieder 80 Prozent der Arbeit tun und für 80 Prozent der finanziellen Mittel sorgen.

Man kann die Mitarbeit in der Gemeinde mit dem Geschehen in einem Fußballstadion vergleichen. Die Spieler auf dem Spielfeld laufen in voller Konzentration unermüdlich hin und her, bis sie irgendwann völlig erschöpft sind und eigentlich eine Pause bräuchten. Auf den Rängen hingegen stehen dicht an dicht Tausende Zuschauer, denen ein bisschen Bewegung sehr gut täte!

Kolosser 3,17: „Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.“

Beziehungen:
Emotionale Gesundheit

Familie
Gemeinschaft (Weggenossen)

Prediger 4,9-10: „So ist’s ja besser zu zweien als allein; denn sie haben guten Lohn für ihre Mühe. Fällt einer von ihnen, so hilft ihm sein Gesell auf. Weh dem, der allein ist, wenn er fällt! Dann ist kein anderer da, der ihm aufhilft.“

Sprüche 17,17: „Ein guter Freund steht immer zu dir, und ein Bruder ist in Zeiten der Not für dich da.“

Freundschaften sind sehr wichtig für uns. Sie helfen uns, in unserem ganzen Sein ausgeglichen zu sein. Wir dürfen nicht zu einem einsamen Felsen oder einer Insel werden, wie Simon & Garfunkel es vor vielen Jahren in ihrem Lied I Am A Rock gesungen haben.

Ernst Zacharias: Freundschaften sind nicht nur ein wunderbares Geschenk; sie erfordern auch, dass wir ständig daran arbeiten. Die meisten Freundschaften zerbrechen nicht, sondern verwelken.

Niemand von uns ist perfekt. Wir alle sind noch auf dem Weg, Christus immer ähnlicher zu werden.

Wenn wir ihn suchen, kann Gott uns helfen, in unserem emotionalen Leben zu wachsen und zu gedeihen, Schritt für Schritt. Wir sollten nie vergessen: Wo Gottes Geist ist, da ist Freiheit!

Möge Gott uns diese Woche helfen, im Hinblick auf eine der obigen Lebensregeln zu wachsen.

Setze deinen Namen in den folgenden Bibelvers ein, um ihn zu deinem persönlichen Gebet zum Herrn zu machen:

Epheser 5,15: „So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise …“