Paul Clark

Römer 1, 16: Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die glauben, die Juden zuerst und ebenso dieGriechen.

Vor zwei Wochen habe ich über die 5 „Next-Level-Impulse“ gesprochen, die 2019 sowohl für uns als einzelne Personen als auch für die Gemeinde als Ganzes Priorität haben sollten.

Diese Woche möchte ich mich auf das Next Level Nummer 4 – Evangelisation oder Mission – konzentrieren.

Die ganze Apostelgeschichte hindurch wurden Christen angeklagt und mussten sich zahlreichen Herausforderungen stellen, weil sie von Christus predigten. Einige der gerichtlichen Verhöre werden detailliert beschrieben. Wir werden uns insbesondere das Verhör des Paulus in Apostelgeschichte 23-26 ansehen. In den frühen Jahren des Christentums wurde die Gemeinde oft als verräterische, revolutionäre Bewegung verurteilt. Die Verfasser des Neuen Testaments achteten unter der Inspiration des Heiligen Geistes sorgfältig darauf, die Details jeder Gerichtsverhandlung festzuhalten, so auch in der Apostelgeschichte, weil in jedem einzelnen Fall offensichtlich ist, dass sich die Christen keiner Übertretung des Zivilrechts schuldig gemacht hatten.

Ich glaube, wir können aus den Anklagen, die gegen Paulus erhoben wurden, und seiner Verteidigung einiges lernen. Das wird uns helfen, wenn wir unseren Freunden und Arbeitskollegen vom Evangelium erzählen. Wir stehen nicht vor Gericht wie Paulus, aber die Menschen, die uns kennen, beobachten sehr genau, was wir sagen und tun.

Apostelgeschichte 23 – Paulus vor dem Hohen Rat den Juden in Jerusalem

8: Denn die Sadduzäer sagen, es gebe keine Auferstehung noch Engel noch Geist; die Pharisäer aber bekennen beides.

Paulus war sehr clever – er wusste, dass die jüdischen Leiter im Hinblick auf einige theologischen Punkte in zwei Gruppen gespalten waren. Paulus kannte sein Publikum, und auch für uns ist es sehr wichtig, dass wir das Publikum, zu dem wir sprechen, kennen.

9-11: Es entstand aber ein großes Geschrei; und einige Schriftgelehrte aus der Gruppe der Pharisäer standen auf, stritten und sprachen: Wir finden nichts Böses an diesem Menschen; vielleicht hat ein Geist oder ein Engel mit ihm geredet. Als aber der Streit groß wurde, befürchtete der Oberst, sie könnten Paulus zerreißen, und ließ Soldaten hinabgehen und Paulus ihnen entreißen und in die Burg führen. In der folgenden Nacht aber stand der Herr bei ihm und sprach: Sei getrost! Denn wie du für mich in Jerusalem Zeuge warst, so musst du auch in Rom Zeuge sein.

Ganz gleich, was wir durchmachen – der Herr möchte auch zu uns sprechen und uns Mut machen.

Es war das Gerücht im Umlauf, dass die Juden Paulus umbringen wollten. Sie waren entsetzt über seine Lehre, dass Jesus der Messias war. Im Römischen Reich kamen viele Juden und Heiden zum Glauben, und die Juden waren davon alles andere als begeistert.

23: Und der Oberst rief zwei Hauptleute zu sich und sprach: Rüstet zur dritten Stunde der Nacht zweihundert Soldaten, dass sie nach Cäsarea ziehen, und siebzig Reiter und zweihundert Schützen;

Apostelgeschichte 24 – Paulus In Cäsarea

3-8: Nach fünf Tagen kam der Hohepriester Hananias mit einigen Ältesten und dem Anwalt Tertullus herab; die erschienen vor dem Statthalter gegen Paulus. Als der aber herbeigerufen worden war, fing Tertullus an, ihn anzuklagen, und sprach: Dass wir in großem Frieden leben unter dir und dass sich für dieses Volk vieles gebessert hat durch deine Fürsorge, das erkennen wir allezeit und allenthalben mit aller Dankbarkeit an, hochgeehrter Felix. Damit ich dich aber nicht zu lange aufhalte, bitte ich dich, du wollest uns kurz anhören in deiner Güte. 

Damals gab es „glatte Redner“ wie Tertullus, die bei solchen wichtigen Gelegenheiten fast wie Rechtsanwälte auftraten. Der lateinische Begriff Captatio benevolentiae bezeichnet eine seit der Antike gebräuchliche rhetorische Figur. Zu Beginn eines Textes wendet sich der Redner mit schmeichelhaften Worten direkt an seinen Zuhörer und bittet diesen darum, das Folgende freundlich anzunehmen.

Tatsache ist, dass die Juden Felix nicht mochten. Aber es gibt immer Menschen, die, um ihr Ziel zu erreichen, in gewissen Situationen nicht davor zurückschrecken, sich bei anderen einzuschmeicheln.

5-7: Wir haben erkannt, dass dieser Mann schädlich ist und dass er Aufruhr erregt unter allen Juden auf dem ganzen Erdkreis und dass er ein Anführer der Sekte der Nazoräner ist. Er hat auch versucht, den Tempel zu entweihen. Ihn haben wir ergriffen. Wenn du ihn verhörst, kannst du selbst das alles von ihm erkunden, wessen wir ihn verklagen

Paulus verteidigte sich, indem er sagte, dass die Anklagen der Juden absolut nicht der Wahrheit entsprachen.

23-24: Am Ende Klaudius Lysiasbefahl aber dem Hauptmann, Paulus gefangen zu halten, doch in leichtem Gewahrsam, und niemandem von den Seinen zu wehren, ihm zu dienen. Nach einigen Tagen aber kam Felix mit seiner Frau Drusilla, die eine Jüdin war, und ließ Paulus kommen und hörte ihn über den Glauben an Christus Jesus. 

 25-27: Als aber Paulus von Gerechtigkeit und Enthaltsamkeit und von dem zukünftigen Gericht redete, erschrak Felix und antwortete: Für diesmal geh! Zu gelegener Zeit will ich dich wieder rufen lassen.  Er hoffte aber nebenbei, dass ihm von Paulus Geld gegeben werde; darum ließ er ihn auch oft kommen und besprach sich mit ihm. Als aber zwei Jahre um waren, kam Porcius Festus als Nachfolger des Felix. Felix aber wollte den Juden eine Gunst erweisen und ließ Paulus gefangen zurück.

Apostelgeschichte 25 – Verteidigung für Festus der neuen Statthalter

Paulus sagte: „Weder gegen das Gesetz, noch gegen den Tempel, noch gegen den Kaiser habe ich etwas verbrochen.“ Festus will es sich mit den Juden nicht verderben: Er schlägt vor dem Prozesse in Jerusalem abzuhalten und trotz der Unschuld von Paulus, lässt er ihn nicht frei! Paulus macht sich keine Hoffnung auf einen fairen Prozess in Jerusalem und beruft sich auf den Kaiser in Rom. Das ist das Recht jedes römischen Burgers den Kaiser in letzter Instanz anzurufen. Diese „Spezialität“ des römischen. Rechts öffnet dem gefangenen Paulus die Reise nach Rom und schlussendlich an den Hof des Kaisers

Am Ende von Kapitel 25, König Agrippa  und seine Frau Bernice machen ein Antritts-Besuch beim neuen Prokurator Festus in Cäsarea. Beide sind mit den Sitten und Lehren des Judentums gut vertraut. Festus muss die beide im Voraus der Fall Paulus ausführlich erklären. Das ist eine willkommene Hilfe für Festus für die Beurteilung des Falles Paulus. Festus braucht „Fakten“ für den Begleitbrief an den Kaiser. Festus ist irritiert von der Botschaft des Paulus:

18-19:  Als seine Ankläger auftraten, brachten sie keine Anklage vor wegen Vergehen, wie ich sie erwartet hatte. Sie hatten aber Streit mit ihm über einige Fragen ihrer Gottesverehrung und über einen verstorbenen Jesus, von dem Paulus behauptete, er lebe. Bis heute ist die Auferstehung etwas was viele Leute nicht mögen.

Apostelgeschichte 26 –  Der Große Showdown   

König Agrippa und Bernice mit großem Prunk tragen purpurne Königliche Kleidung. Festus als edler Gastgeber mit den Obersten des Militärs und den Vornehmsten sind auch dabei. Die angesehenen Männer der Stadt sind auch dabei

Was für ein Bild: Paulus steht da als einfacher Gefangener in Ketten.

Er berichtete, wie er zum Glauben gekommen war und warum er das Evangelium in klaren Worten verkündete. Diese Botschaft finden wir an mehreren Stellen in der Apostelgeschichte. Er wiederholt sein Lebenszeugnis immer wieder, genauso wie wir es oft tun.

24-26: Festus sprach mit lauter Stimme: Paulus, du bist von Sinnen! Das viele Studieren macht dich wahnsinnig. Paulus aber sprach: Hochgeehrter Festus, ich bin nicht von Sinnen, sondern ich rede wahre und vernünftige Worte. Der König, (Agrippa) zu dem ich frei und offen rede, versteht sich auf diese Dinge. Denn ich bin gewiss, dass ihm nichts davon verborgen ist; denn dies ist nicht im Winkel geschehen. 

27-28: Glaubst du, König Agrippa, den Propheten? Ich weiß, dass du glaubst. Agrippa aber sprach zu Paulus: Es fehlt nicht viel, so wirst du mich noch überreden und einen Christen aus mir machen. 

Ich bin erstaunt, wie Paulus die ganze Apostelgeschichte hindurch mit Freude und Kühnheit das Evangelium jenen mitteilt, die ungläubig sind. In den Versen vor unserem Text beschreibt Paulus seinen eigenen geistlichen Weg von einem Hasser Christi und einem Verfolger der Gemeinde zu einem hingegebenen Jünger Jesu und Verkündiger der Frohen Botschaft.  Ich bin mir sicher, dass einige der Menschen, die bei dem Verhör des Paulus anwesend waren, später zum Glauben gekommen sind. Paulus sprach nicht nur zu den Juden oder den Obrigkeiten. Auch Soldaten und Diener hörten ihm zu, und Paulus schämte sich nicht, das Evangelium weiterzugeben. Er verstand, was der Satz „mein Wort kommt nie leer zurück“ bedeutet. Das sollten auch wir nicht vergessen.

Wenn wir mit anderen über den Glauben sprechen, sehen wir oft wenig Erfolg. Aber die Menschen merken sich, was wir sagen, und sie sehen, wie wir leben. Manchmal bleibt vielleicht nur ein einziger Satz bei ihnen hängen, aber genau dieser eine Satz kann später dazu führen, dass sie sich für Jesus entscheiden.

Das Zeugnis von Paulus ist wahrlich phänomenal!

Ganz ehrlich gesagt, die meisten von uns haben nicht so ein sensationelles Zeugnis wie Paulus. Als ich noch jung war, dachte ich lange Zeit, wie könnte ich das Evangelium mit Ungläubigen teilen, da ich schon als Kind die Entscheidung getroffen hatte, Jesus nachzufolgen. Ich hatte nicht so ein sensationelles Zeugnis anzubieten wie jene, die von Drogen und Alkohol befreit worden waren. Meine Lebensübergabe klang im Vergleich dazu langweilig.  Aber dann erkannte ich eines Tages, dass das Evangelium weiterzugeben nichts damit zu tun hat, wie ich zu Jesus kam, sondern es geht ausschließlich um den Missionsbefehl von Jesus. “Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur.” (Markus 15,15)

Wir tun, was wir können; den Rest muss Gott tun.

Zum Schluss

Was können wir aus den Kapiteln 23-26 der Apostelgeschichte lernen?

Felix und Festus dienen uns als Beispiele für Menschen, die die Gelegenheit, Jesus Christus als ihren Herrn und Retter anzunehmen, verpassten. Vielleicht kennst du Menschen, die das Evangelium schon oft gehört haben, aber dennoch nichts davon wissen wollen. Nimm dir die Zeit, dafür zu beten, dass sie ihre Chance, Christus anzunehmen, nicht versäumen. Bitte Gott, ihr Herz zu erweichen und sie ihrer Sünde zu überführen.

Die Christen in der Apostelgeschichte mussten viele Herausforderungen bewältigen. In vielerlei Hinsicht ergeht es uns nicht anders. Natürlich werden wir nicht offen verfolgt wie manche Christen auf der Welt, aber Gott kümmert sich immer um jedes einzelne seiner Kinder. Auch wenn es Widerstand gibt, wie es in der Apostelgeschichte beschrieben wird, waren da trotzdem Männer und Frauen, die ihr Leben Christus gaben. Deshalb sollten wir wie Paulus und die frühen Christen nicht aufhören, das Evangelium zu verbreiten.

Möge Gott uns helfen, auf die verlorenen Menschen in unserem Umfeld zuzugehen. Lasst uns auch als Gemeinde mutig sein und überlegen Möglichkeiten wie wir verlorenen Menschen in Kontakt kommen können. Abschließend bin ich begeistert von der Antwort des Paulus an König Agrippa, was unser Entschluss sein soll:

Apostelgeschichte 26,29: Ich wünschte vor Gott, dass über kurz oder lang nicht allein du, sondern alle, die mich heute hören, das würden, was ich bin.

Nochmal, die Worte von Paulus!

Römer 1, 16: Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die glauben, die Juden zuerst und ebenso dieGriechen.