Paul Clark

Der Hintergrund des folgenden Bibeltexts:

Jakob, der Vater Josefs, lebte ein sehr bewegtes Leben. Viele von uns kennen die Geschichte, wie er seinen Bruder Esau um dessen Erstgeburtsrecht betrog und seinen Vater täuschte. Wie du dir vorstellen kannst, führte das zu einem großen Konflikt zwischen den beiden Brüdern. Das Leben von Jakob hört sich an wie eine Seifenoper, vor allem wenn wir uns ansehen, was passierte, als er Laban um die Hand seiner Tochter Rahel bat. Laban stimmte zu, jedoch unter der Bedingung, dass Jakob zuerst sieben Jahre für ihn arbeitete. Als es dann endlich soweit war, stellte Jakob in seiner Hochzeitsnacht fest, dass Laban ihm nicht seine Tochter Rahel, sondern deren Schwester Lea zur Frau gegeben hatte. So musste er noch weitere sieben Jahre für Laban arbeiten, um Rahel zu bekommen. Das ist wirklich unglaublich!

Es ist jedoch sehr interessant, dass Jakobs Einsatz von großem Erfolg gekrönt war. Seine Herden waren noch weit mehr gewachsen, als er es sich in seinen kühnsten Träumen hätte vorstellen können, und Laban wurde noch reicher. Nachdem er viele Jahre für ihn gearbeitet hatte, verließ Jakob seinen Schwiegervater. Als er auf sein Leben zurückblickte, erkannte er, dass Gott ihn auf vielerlei Weise gesegnet hatte.

1 Mo 32,11: Ich habe es nicht verdient, dass du so viel für mich getan und immer wieder deine Versprechen eingehalten hast! Als ich damals den Jordan hier überquerte, besaß ich nur einen Wanderstock – und nun komme ich mit zwei großen Herden an!

Jakob war völlig überwältigt von der Gnade, die Gott ihm hatte zuteilwerden lassen. Später traf er wieder mit seinem Bruder Esau zusammen. Dieser vergab ihm, sie versöhnten sich und Jakob erfuhr einmal mehr die Gnade Gottes in seinem Leben.

Das Beispiel Jakobs ist ein Bild dafür, wie Gottes Gnade auch in unserem Leben wirkt. Wenn wir gegenüber Gott und anderen Menschen versagt haben, sorgt er für Wiederherstellung und überschüttet uns mit Segen über Segen.

Das Wort „Gnade“ hat seinen Ursprung in sich beugen, sich herabneigen.

Jesus selbst hat das Wort Gnade nicht verwendet, und doch ist sein Leben der Inbegriff von Gnade.

Eines der eindrucksvollsten Beispiele für die Gnade im Dienst Jesu finden wir in Johannes 8. Die Pharisäer wollten Jesus dazu bringen, dass er die Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war, steinigen ließ, doch aus ihm sprach die reine Gnade, als er sagte: „Ich verurteile dich nicht. Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“ Wir wissen, was dann passierte – die Pharisäer machten sich einer nach dem anderen aus dem Staub, bis Jesus allein mit der verzweifelten Frau zurückblieb. Er sagte: „Ich verurteile dich nicht. Du kannst gehen, aber von jetzt an sündige nicht mehr!“

Benjamin Warfield: Gnade ist eine unentgeltliche Gunstleistung eines Übergeordneten an einen, der dies durch nichts verdient hat

Paulus und andere Briefschreiber des Neues Testament haben aber das Wort Gnade sehr oft verwendet und erklärt.

Gnade ist kostenlos, aber sie ist nicht billig.

Jesus gab sein Leben hin und nahm am Kreuz alle unsere Sünden auf sich, damit wir Gottes Gnade erfahren und genießen können.

Epheser 2,8-9: Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.

Die Religionen legen großen Wert auf Werke, aber Werke können uns nicht retten.

Buddha suchte selbst am Ende seines Lebens noch immer nach einem Sinn und hoffte, dass er durch gute Werke gerettet würde.

Der Islam hat die fünf Säulen des Glaubens.

  • Glaubensbekenntnis (Allah ist groß)
  • Gebet – fünfmal am Tag nach Mekka
  • Almosensteuer
  • Fasten in Ramadan
  • Pilgerfahrt nach Mekka (mindestens einmal im Leben.)

Ein Muslim kann am Ende seines Lebens nur darauf hoffen, dass er ins Paradies kommt. Das ist generell bei allen Religionen so. Man hofft darauf, dass letztlich alles ein gutes Ende findet. Aber wenn wir eine persönliche Beziehung zu Jesus haben, können wir uns sicher sein, dass wir ewiges Leben haben.

Wir können von Gott nichts fordern! Gott ist zu nichts verpflichtet. Wir können und dürfen freilich bitten zu ihm zu kommen. Aber wenn Gott gibt, dann ist es wegen seiner Gnade

Gott ist auch bei seinen Kindern gnädig, wenn sie um Vergebung bitten.

1 Johannes 9-10: Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit. Wenn wir sagen, wir haben nicht gesündigt, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns.

Einmal bin ich auf die Internetseite www.overwhelmedbygrace.com (Überwältigt von Gnade) gestoßen. Auf dieser Seite finden wir viele Zeugnisse von Menschen, die zum Teil furchtbare Dinge durchgemacht haben, aber dann aus erster Hand die Gnade Gottes erfahren haben.

Der weltbekannte Evangelist Billy Graham fuhr einmal durch eine kleine Stadt im Süden der USA. Dabei wurde er von einem Polizisten gestoppt, weil er die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritten hatte. Graham gestand seine Schuld ein, musste aber dennoch vor Gericht erscheinen.

Der Richter fragte ihn: „Schuldig oder nicht schuldig?“ Als Graham antwortete: „Schuldig!“, sagte der Richter: „Das kostet Sie zehn Dollar. Einen Dollar für jede Meile, die Sie zu schnell gefahren sind.“

Plötzlich erkannte der Richter, wen er vor sich hatte. „Sie haben das Gesetz verletzt“, sagte er. „Die Strafe muss bezahlt werden, aber das werde ich für Sie tun.“ Er nahm einen Zehndollarschein aus seiner Brieftasche und heftete ihn an den Strafzettel. Dann lud er Graham zu einem Steakessen ein. „So“, sagte Billy Graham, „behandelt Gott reuige Sünder!“ Das ist ein Beispiel von Gnade pur!

Es wäre schon genug, wenn Gott uns nur vergeben würde, aber oft schenkt er uns darüber hinaus noch einen Segen nach dem anderen!

Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, bin ich überwältigt von der Gnade Gottes.

  • Ich bin in einer christlichen Familie aufgewachsen, die mich immer unterstützt und mir die Gelegenheit gegeben hat, Teil einer Gemeinde wie der Freien Christengemeinde zu werden.
  • Gott hat mir schon als Teenager Gnade geschenkt, sodass ich gar keine Lust verspürte zu rebellieren wie so viele meiner Freunde.
  • Gott hat mir die Möglichkeit geschenkt nach Deutschland zu kommen und mich bei Teen Challenge in der Jugendarbeit zu engagieren.
  • Bei Teen Challenge habe ich auch meine Frau Mechthild kennengelernt. Das war eine besonders große Gnade! Hallelujah!
  • Meine erwachsenen Kinder leben mit dem Herrn.
  • Gott hat mir die Gnade geschenkt, mit so vielen Menschen wie euch in verschiedenen Städten neue Gemeinden zu gründen. Es ist so wunderbar zu sehen, wie Menschen zum Herrn kommen und sich dann später nach anderen ausstrecken, damit diese ebenfalls zu Jesus finden. Es ist Gottes Gnade, dass ich ein Teil dessen sein darf, was Gott in Bregenz tut.

Ich könnte noch vieles von Gottes Gnade aus meinem Leben erzählen, aber dann wären wir in zwei Stunden immer noch hier.

Gott schenkt uns seine Gnade um zu wachsen.

2.Petr 3,18a: Wachset in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Retters Jesus Christus!

Oft verhindern unser Hochmut und unser Stolz, dass Gott uns mit noch viel größerer Gnade beschenken kann. Wir sollen nicht nur von seiner Gnade singen oder darüber reden, sondern in seiner Gnade, die geistliche Reife bewirkt, wachsen.

Ich erinnere mich noch daran, wie sich in einer Gemeinde, in der ich früher Pastor war, einmal jemand beklagte, dass es immer dieselben Menschen waren, die nach vorn gingen, um für sich beten zu lassen. Das machte mich traurig, denn wir haben es ausschließlich Gottes Gnade zu verdanken, dass wir nicht so große Nöte haben wie andere Menschen. Wir sollten immer demütig sein, wenn wir Menschen in Not sehen. Hochmut kommt vor dem Fall.

Max Lucado: Wer Gnade erfahren hat, kann Gnade weitergeben. Wer Vergebung erfahren hat, kann anderen vergeben. Wer in Barmherzigkeit gebadet hat, verströmt Barmherzigkeit.

Gottes Gnade lässt uns die Menschen und ihre Nöte in einem anderen Licht betrachten. Wo wären wir heute ohne seine Gnade? Darüber möchte ich nicht einmal nachdenken.

Wir sind nicht besser als andere. Wir wurden nur durch die Gnade Gottes gesegnet.

Eines der besten Beispiele für die Gnade Gottes in der Bibel ist das Gleichnis vom Verlorenen Sohn in Lukas 15. Ein besserer Titel für dieses Gleichnis wäre eigentlich „Der wartende Vater“. Auch diese Geschichte hört sich an wie eine Seifenoper. Der Sohn bittet den Vater, ihm sein Erbe auszuzahlen, verlässt sein Zuhause und vergeudet seinen ganzen Reichtum mit einem sündhaften Leben. Am Ende seines Abenteuers ist der Sohn völlig mittellos und keiner seiner sogenannten Freunde ist da, um ihm zu helfen. Da beschließt er, zu seinem Vater zurückzukehren und ihn zu bitten, als einer seiner Knechte für einen geringen Lohn für ihn arbeiten zu dürfen.

Lukas 15: 20 Er machte sich auf den Weg und ging zurück zu seinem Vater. Der erkannte ihn schon von weitem. Voller Mitleid lief er ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.

Dieses Gleichnis berührt jedes Mal mein Herz. Der Vater hält voller Gnade und Barmherzigkeit jeden Tag Ausschau nach seinem Sohn und hofft, dass er zurückkommt. Und als er ihn schließlich tatsächlich kommen sieht, gerät er außer sich vor Freude.

Genauso sehnt sich auch unser himmlischer Vater danach, dass wir zu ihm zurückkehren, ganz gleich wie weit wir uns von ihm entfernt haben. Es ist Gottes Gnade, die unser Leben wiederherstellt und uns neue Hoffnung für die Zukunft gibt. Gottes Gnade erlaubt es uns, zu den Männern und Frauen zu werden, die Gott im Sinn hatte, als er uns erschaffen hat. Durch seine Gnade müssen wir nicht in der Vergangenheit leben. Gottes Gnade macht alles neu!

Die Geschichte vom „Wartenden Vater (Jesus)“ macht Mut!

Lukas 15:21- 23:  Doch der Sohn sagte: ‘Vater, ich bin schuldig geworden an Gott und an dir. Sieh mich nicht länger als deinen Sohn an, ich bin es nicht mehr wert.’ Sein Vater aber befahl den Knechten: ‘Beeilt euch! Holt das schönste Gewand im Haus, und gebt es meinem Sohn. Bringt auch einen Ring und Sandalen für ihn! Schlachtet das Mast Kalb! Wir wollen essen und feiern! Mein Sohn war tot, jetzt lebt er wieder. Er war verloren, jetzt ist er wiedergefunden.’ Und sie begannen ein fröhliches Fest.

Unser Gebet: Wir sind gesegnet mit Deiner bedingungslosen Liebe. Bitte hilf uns, dass wir zu der von dir gewünschten neuen Schöpfung werden. Gib uns ein neues Herz und einen neuen Geist, damit wir Dir mehr und mehr dienen möchten. AMEN!